Tempolimit auf Autobahnen: ADAC mit krasser Kehrtwende – Millionen Autofahrer betroffen

Tempolimit auf deutschen Autobahnen: Ausgerechnet der ADAC legte eine erstaunliche Kehrtwende hin.
Tempolimit auf deutschen Autobahnen: Ausgerechnet der ADAC legte eine erstaunliche Kehrtwende hin.
Foto: dpa

Um die Signalwirkung zu verdeutlichen: Was der ADAC jetzt macht, ist ein bisschen so, als hätten die Tabaklobby vor 20 Jahren ein Rauchverbot in Kneipen befürwortet.

Der Automobilclub ADAC hat jüngst erklärt, „nicht mehr grundsätzlich“ gegen ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen zu sein. Das sagte Gerhard Hillebrand, ADAC-Vizepräsident Verkehr.

Tempolimit: ADAC war erbitterter Gegner

Die Aussage ist nicht weniger als eine extreme Kehrtwende: Denn der ADAC war jahrelang ein erbitterter Gegner von Tempolimits auf Autobahnen.

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Der ADAC ist überaus einflussreich: Mit 21 Millionen Mitgliedern ist er der größte Automobilclub in Deutschland, hat gute Kontakte zu Ministerien und Entscheidern.

Für viele Autofahrer, die gegen ein Tempolimit sind, bricht damit überraschend eine der letzten Bastionen im Streit um Geschwindigkeitsbeschränkungen weg.

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Tempolimit: Emotionale Diskussion

Das Abrücken vom betonharten Nein bedeutet allerdings auch noch nicht direkt ein Ja. Die Diskussion werde emotional geführt und polarisiere bei den Mitgliedern, erläutert Hillebrand gegenüber der Deutschen Presseagentur. „Deshalb legt sich der ADAC in der Frage aktuell nicht fest“.

In einer Umfrage unter Mitgliedern hatten 50 Prozent gegen ein Tempolimit votiert und 45 Prozent dafür. Eine Versachlichung sei dringend erforderlich. Die Auswirkungen eines Tempolimits sollten dringend in einer umfassenden Studie geklärt werden. „Diese würde eine belastbare Entscheidungsgrundlage liefern.“

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Beim Klimaschutz werde bei einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 130 Stundenkilometern eine Einsparung von bis zu zwei Millionen Tonnen CO2 erwartet, sagte Hillebrand. Aber auch das sei vage. „Wir brauchen eine umfassende Studie über die Wirkungen eines Tempolimits. Diese würde eine belastbare Entscheidungsgrundlage liefern.“

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ADAC

  • 1903 gegründet - als "Deutsche Motorradfahrer-Vereinigung"
  • Seit 2016 besteht der ADAC aus einem Verein, einer AG und einer Stiftung
  • Der Club hat etwa 21 Millionen Mitglieder

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130 Stundenkilometer auf der Autobahn

In einer aktuellen Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins spricht sich die Mehrheit für ein Tempolimit aus. 56 Prozent der 1000 befragten Führerscheinbesitzer sehen in einer generellen Geschwindigkeitsbeschränkung eine wirkungsvolle Maßnahme für mehr Verkehrssicherheit.

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Die Debatte um ein Tempolimit in Deutschland hatte Ende 2019 wieder an Fahrt aufgenommen. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte sich ablehnend geäußert: „Wir haben weit herausragendere Aufgaben, als dieses hoch emotionale Thema wieder und immer wieder ins Schaufenster zu stellen - für das es gar keine Mehrheiten gibt.“ Der Regierungspartner SPD hatte zuvor auf einem Parteitag ein Tempolimit von 130 auf Autobahnen gefordert und das mit Verkehrssicherheit und Klimaschutz begründet.

Die SPD legte nach den Scheuer-Aussagen nach. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) sagte, ein Tempolimit verringere die Unfälle mit Todesfolge und spare jährlich ein bis zwei Millionen Tonnen Kohlendioxid. Die neue SPD-Chefin Saskia Esken schrieb auf Twitter, es gebe nur wenige Länder ohne Tempolimit. Nordkorea gehöre dazu. (pen, dpa)

 
 

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