Tausende wieder bei Protestmarsch gegen Präsident Mursi

Tausende Menschen sind am Freitag in ägyptischen Hauptstadt Kairo wieder einem Aufruf der Opposition gefolgt und haben sich an einem Protestmarsch gegen Präsident Mohammed Mursi beteiligt. Ziel war der Präsidentenpalast, vor dem es am Mittwoch zu blutigen Auseinandersetzungen von Anhängern und Gegnern Mursis gekommen war. Dabei waren sechs Menschen getötet und mindestens 700 verletzt worden.

Kairo (dapd). Tausende Menschen sind am Freitag in ägyptischen Hauptstadt Kairo wieder einem Aufruf der Opposition gefolgt und haben sich an einem Protestmarsch gegen Präsident Mohammed Mursi beteiligt. Ziel war der Präsidentenpalast, vor dem es am Mittwoch zu blutigen Auseinandersetzungen von Anhängern und Gegnern Mursis gekommen war. Dabei waren sechs Menschen getötet und mindestens 700 verletzt worden.

Tausende islamistische Anhänger des Präsidenten versammelten sich zugleich zur Beisetzung von zwei am Mittwoch Getöteten an der Al-Aksa-Moschee. Dabei wurden die Mursi-Gegner als Verräter und Mörder beschimpft. Auch in anderen Städten Ägyptens wie Alexandria und Luxor kam es Kundgebungen beider Seiten.

Die Gewalt gefährdet nach Ansicht des deutschen Außenministers Guido Westerwelle den Erfolg der demokratischen Revolution in Ägypten. "Die Revolution in Ägypten, sie ist in Gefahr", warnte der FDP-Politiker. Die positive Entwicklung durch den Umbruch drohe verloren zu gehen. Er appellierte angesichts der Freitagsgebete "an alle Kräfte in Ägypten, keine weitere Aufheizung der Situation zuzulassen". Gewalt verschärfe die Probleme nur. Die Gewaltexzesse dürften sich nicht wiederholen.

Skeptisch beurteilte Westerwelle Mursis Rede an das Volk, die am Donnerstagabend im Staatsfernsehen übertragen wurde. Er hoffe, dass man später nicht sagen müsse, dass hier eine Chance verpasst worden sei.

Mursi hatte am Donnerstagabend in einer im Staatsfernsehen übertragenen Rede keine nennenswerten Zugeständnisse an die Opposition gemacht. Er rief sie zwar zu einem Dialog auf, weigerte sich aber, von seinem Vorhaben für ein Referendum abzuweichen oder die Ausweitung seiner Machtbefugnisse zurückzunehmen. Der Opposition warf er vor, dem gestürzten Regime von Husni Mubarak zu dienen. Er werde es nicht tolerieren, dass irgendjemand im Land am Sturz einer rechtmäßigen Regierung arbeite, sagte Mursi.

Mursi lud alle Teile der Opposition zu einem "umfassenden und produktiven" Dialog ein, der am Samstag in seinem Amtssitz beginnen solle. Allerdings machte er keine Andeutungen, dass er bei den Gesprächen nennenswerte Zugeständnisse machen würde.

Das Referendum über die umstrittene Verfassung werde wie geplant am 15. Dezember stattfinden, sagte Mursi in seiner Rede. Er verteidigte einmal mehr auch die umstrittene Ausweitung seiner Machtbefugnisse. "Es ist meine Pflicht, Einrichtungen der Nation zu schützen", sagte er. Dabei spielte er erneut auf eine Verschwörung gegen das Land an, die ihn zu der Ausweitung seiner Machtbefugnisse bewegt habe. Details nannte er nicht.

© 2012 AP. All rights reserved

EURE FAVORITEN