Tagesschau: Beitrag sorgt jetzt für Riesen-Wirbel

ARD-Journalistin Natalie Amiri kommentierte die Wahl in Österreich.
ARD-Journalistin Natalie Amiri kommentierte die Wahl in Österreich.

Die Aufregung ist riesig - aber nicht nachvollziehbar.

Ein Kommentar in der Tagesschau beziehungsweise in den Tagesthemen zur Wahl in Österreich sorgte bei vielen Zuschauern für Unmut und brachte der Tagesschau bei Facebook gar einen Shitstorm ein.

Tagesschau-Kommentar: „Phase von Anfeindungen, Angst und Hass ist vorbei“

Sebastian Kurz war als eindeutiger Sieger aus der Wahl in Österreich hervorgegangen, die rechtspopulistische FPÖ hingegen war hart abgeschmiert. ARD-Journalistin Natalie Amiri sagte dazu: „Vielleicht ist die Hochphase der Politiker, die mit wenig Inhalt, dafür aber mit Anfeindungen, Angst und Hass Wähler auf ihre Seite ziehen konnten, vorbei.“

+++ „Brennpunkt“ in der ARD sorgt für Wut bei Zuschauern: „Ich glaub's nicht!“ +++

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Nationalratswahl in Österreich: Das sind die Ergebnisse

  • ÖVP: 38,4 Prozent
  • SPÖ: 21,5 Prozent
  • FPÖ: 17,3 Prozent
  • Neos: 7,4 Prozent
  • Liste Jetzt: 1,9 Prozent
  • Grüne: 12,4 Prozent

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Viele Nutzer schimpften bei Facebook: Der Beitrag sei „nicht neutral“. Hier einige Beispiele:

  • „Da behaupte doch noch einer die öffentlich Rechtlichen wären neutral.“
  • „Irgendwie scheint es in den Hintergrund zu rücken dass es sich um Ergebnisse einer demokratischen Wahl handelt - das ist Meinungsmache was ihr da veranstaltet ...“
  • „Na is ja herrlich. Frau Amiri teilt ihre Weisheit, pardon Meinung mit. Ich halte das für keinen Kommentar. Wer nicht in der Lage ist rechts links mitte zu gleichen Teilen zu "kommentieren" und dabei tendenziöse Formulierungen weg zu lassen hat meines erachtens den Auftrag von ÖRF nicht verstanden und um etwa den Abstand von Erde zu Mond verfehlt.“

Tagesschau: Das Wort „Kommentar“ ist eingeblendet

Merkwürdig ist: Das Wort „Kommentar“ wurde klar eingeblendet, der „Tagesschau“-Beitrag ist eindeutig als Meinungsbeitrag gekennzeichnet und muss entsprechend nicht neutral sein. Auch im Facebook-Text zum Video nutzt die „Tagesschau“-Redaktion das Verb „kommentieren“. Und ein journalistischer Meinungsbeitrag hat eben genau den Zweck, die neutrale Berichterstattung zu reflektieren - und eine eigene Meinung zu bieten.

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Das ist ein Kommentar:

  • Der Kommentar ist ein Meinungsbeitrag eines Mediums
  • Er gehört zu den klassischen journalistischen Darstellungsformen
  • Der Kommentator gibt dabei seine eigene Meinung zu einem nachrichtlichen Thema wieder
  • Es gibt verschiedene Gattungen, wie etwa eine „Entweder-Oder“-Abwägung oder eben eine klar formulierte mit Argumenten untermauerte Meinung in eine bestimmte Richtung
  • Ein Kommentar sollte nicht „neutral“ sein - ganz im Gegenteil
  • Der Kommentar bietet dem Leser oder Zuschauer eine mögliche Meinung zu einem Thema und belebt im Idealfall den Diskurs

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Die „Tagesschau“-Redaktion sah sich schließlich gar genötigt zu dieser Klarstellung: „Liebe User, weil es offenbar Unklarheiten gibt: Bei diesem Beitrag handelt es sich um einen Kommentar. Kommentare sind eine journalistische Darstellungsform. Anders als etwa der neutrale Bericht geben sie eine Meinung wieder, nämlich die der oder des Kommentierenden.“

Tagesschau-Kommentar: Zuschauer regen sich auf

Für manche Zuschauer war das offenbar immer noch nicht klar genug. „Mit gleicher Kullisse und im gleichen Namen OHNE Vorwort .. OKAY!“, regt sich ein Nutzer auf.

Schon in der Vergangenheit riefen die Kommentare der „Tagesthemen“ immer wieder heftige Reaktionen hervor, etwa mit einem Kommentar zur Klima-Krise.

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Das sind die Tagesthemen in der ARD:

  • Das Format läuft seit 1978 und startete am gleichen Tag wie das „heute journal“ im ZDF
  • Zunächst lief das Format nur zwischen montags und donnerstags, erst später kamen die Sendungen am Freitag, Samstag und Sonntag hinzu
  • Aktuell werden die Tagesthemen von Pinar Atalay, Ingo Zamperoni und Caren Miosga moderiert
  • Der wohl bekannteste Moderator war aber Ulrich Wickert, der von 1991 bis 2006 für die Tagesthemen arbeitete

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Tagesschau-Redaktion beweist Geduld

Die Redaktion bewies Geduld, erklärte noch einmal: „Es steht drüber "kommentiert", im Video taucht nach drei Sekunden das Wort "Kommentar" auf, am Ende noch einmal ...“. (pen)

 
 

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