Täglich fast hundert Angriffe auf Internetseiten

Berlin..  Jetzt hat es auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) erwischt: Die Website des Ministers und der SPD-Parteizentrale sind nach Ermittlerangaben von einem jugendlichen Hacker angegriffen und blockiert worden, die Server brachen durch Überlastung zusammen; betroffen von der Sabotage war auch der Internetauftritt der CDU.

Solche Attacken kommen offenbar viel häufiger vor als bekannt, wie alarmierende Zahlen des Bundesamtes für die Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zeigen: Hacker und Cyberkriminelle legen in Deutschland demnach täglich im Durchschnitt 90-mal Internetseiten von Unternehmen, Behörden oder Privatleuten zeitweise lahm, blockieren oft ganze Netzwerke. 2014 seien über 32 000 solcher Angriffe registriert worden, warnt BSI-Präsident Michael Hange in ei­ner Bewertung für den Bundestag, die unserer Zeitung vorliegt. Diese Attacken sind für Hange nur ein Beispiel für die Bedrohungslage im Internet. Die Anzahl der Schadprogramme für Smartphones und Tablets liege bei mindestens drei Millionen, berichtet der Behördenchef dem Parlaments-Innenausschuss. Die Ge­samtzahl der PC-basierten Schwachstellen betrage sogar mehr als 250 Millionen, täglich würden es 300 000 mehr. Und: In Deutschland sind mehr als eine Million Internetrechner Teil so genannter Botnetze, die Computer-Kriminelle mit Hilfe von Viren und Trojanern aufbauen. Die betroffenen Rechner sind mit Schadstoffprogrammen so befallen, dass sie ferngesteuert im Verbund für Angriffe auf Computersysteme missbraucht werden können.

„Das Internet ist als Plattform für Angreifer sehr attraktiv, der Aufwand für einen Angriff ist gering“, sagt Hange. „Es reichen ein Laptop und ein Internetanschluss.“ Zudem existiere ein florierender globaler Markt mit „Trojanerkoffern“ und Schadprogrammen. Das Entdeckungsrisiko sei niedrig, weil Angreifer viele Tarnmöglichkeiten hätten, so der BSI-Chef. Zugleich erweitere sich die Zahl möglicher Angriffsziele durch technologische Weiterentwicklungen.

Hange warnt davor, die Risiken nur als technologische Herausforderung zu betrachten. Alle Gesellschaftsgruppen seien betroffen, es handele sich um „eine gesellschaftspolitische Herausforderung“.

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