Syrien-Konflikt: Welche Gruppierungen kämpfen und was sie wollen

Einer der zentralen Akteure im komplexen Konflikt: Syriens Diktator Baschar al-Assad will seine Macht mit Krieg sichern.
Einer der zentralen Akteure im komplexen Konflikt: Syriens Diktator Baschar al-Assad will seine Macht mit Krieg sichern.
Foto: imago/ITAR-TASS
Welcher Herrscher hat welches Ziel auf dem Schlachtfeld Syrien? Und die Erfolgschancen? Ein Überblick über die wichtigsten Akteure.

Berlin.. Fünf Jahre Krieg in Syrien. Eine Lösung ist nicht in Sicht. Zu Wochenbeginn wurden fünf Krankenhäuser und zwei Schulen bei Luftangriffen im Norden getroffen, fast 50 Menschen starben. Russland weist jede Schuld von sich, doch nur Moskau fliegt in dieser Region Luftangriffe. Millionen Menschen sind auf der Flucht, viele wollen nach Europa. Es ist ein verworrener Konflikt. Ein Überblick über die wichtigsten Akteure:

Syrien-Konflikt: die Rolle von Baschar al-Assad

Lange sah es so aus, als würde Syriens Diktator Baschar al-Assad durch den Vormarsch verschiedener Rebellengruppen und der Terrormiliz „Islamischer Staat“ seine Herrschaft verlieren. Doch nun ist er seinem Ziel „Machterhalt“ näher als je zuvor seit dem Ausbruch des Krieges 2011. Mit Russland hat Assad einen starken Verbündeten. Seitdem viele Flüchtlinge aus Syrien auch nach Europa fliehen, beharrt der Westen nicht mehr auf den sofortigen Rücktritt Assads. Die Devise: Lieber Frieden mit einem Diktator – als keinen Frieden.

Was Wladimir Putin und Russland in Syrien wollen

Russland fliegt Kampfeinsätze gegen Stellungen des IS – und vor allem gegen die gemäßigten Rebellen. Oberstes Ziel von Präsident Wladimir Putin: Assad an der Macht halten. Für Putin ist es wichtig, dass Russland als Akteur im Nahen Osten eine zentrale Rolle spielt. Die ehemalige Supermacht sieht sich immer noch als Weltmacht – und will dies unter Beweis stellen. Obama nannte Russland 2014 eine „Regionalmacht“ – nichts hat Putin mehr geschmerzt. Für Moskau läuft es in Syrien aktuell nach Plan. Das Assad-Regime hat sich mit seiner Hilfe stabilisiert, die Rebellen sind unter Druck.

Barack Obama und die Rolle der USA

Die USA führen die Allianz des Westens gegen den IS an. Das oberste Ziel von US-Präsident Barack Obama ist es, den IS zu stoppen. Die USA fliegen Angriffe auf Stellungen der Islamisten. Der IS hat seitdem Territorialverluste hinnehmen müssen. Die USA lehnen es allerdings ab, Bodentruppen zu schicken. Nach den Kriegen in Afghanistan und Irak ist Washington erschöpft, will die Mehrheit der Amerikaner keinen Krieg mehr. Ein aktuell eher nachrangiges Ziel der USA ist die baldige Ablösung von Assad. Doch eine neue Regierung in Damaskus scheint in weiter Ferne.

Frankreich und François Hollande

An der Seite der USA beteiligen sich weitere westliche Länder an den Luftschlägen. So fliegt etwa Frankreich nach den Terroranschlägen von Paris Angriffe. Präsident François Hollande sieht sein Land im „Krieg“ gegen den IS-Terror. Deutschland hilft dem Nachbarn: Die Bundeswehr hat sechs „Tornado“-Jets für die Luftaufklärung über Syrien geschickt.

Recep Tayyip Erdogan und die Rolle der Türkei

Die Türkei fliegt Luftangriffe. Ziel sind allerdings vor allem kurdische Stellungen. Ankara sieht Verbindungen zwischen der kurdischen Partei Demokratische Union (PYD) in Syrien und der verbotenen Arbeiterpartei PKK in der Türkei. Präsident Recep Tayyip Erdogan will zeigen, dass die Türkei das Zeug zur großen Regionalmacht hat. Doch die Lage ist verworren. Auf der einen Seite kooperiert er etwa mit Deutschland in der Flüchtlingskrise – auf der anderen bekämpft er die Kurden, während Deutschland den Kurden im Irak Waffen für den Kampf gegen den IS liefert. Bis vor Kurzem soll Erdogan sogar den IS unterstützt haben – um so Assad loszuwerden.

Saudi-Arabiens König Salman und das Engagement in Syrien

Das Herrscherhaus in Saudi-Arabien mischt kräftig mit im syrischen Konflikt. Die Scheichs in Riad rüsteten diverse radikalsunnitische Rebellen gegen das Assad-Regime auf. Damit steht der saudische König Salman an einer Seite mit der Türkei. Gleichzeitig ist Syrien Schlachtfeld der zwei dominierenden islamischen Glaubensrichtungen: Die sunnitischen Saudis wollen in Syrien die Schiiten schwächen und damit auch den Iran. Doch auch die Hilfe für radikalen Gruppen in Syrien kann für die Saudis gefährlich werden – wenn sich die Kräfte am Ende auch gegen die Herrscher in Riad richten.

Hassan Rohani und Iran an der Seite von Assad

Der Iran steht an der Seite des syrischen Regimes. Teheran hilft Assad mit Geld, dessen Armee kämpft auch mit iranischem Kriegsgerät. Syrien ist mit dem Iran Teil einer „schiitischen Achse“. Wichtigstes Ziel: Kampf gegen den verfeindeten „Islamischen Staat“ und andere sunnitische Islamisten. Damit will Irans Präsident Hassan Rohani auch die konkurrierende Regionalmacht Saudi-Arabien schwächen. Seit dem Ende der Sanktionen durch den Westen hat das Regime in Teheran Aufwind. Doch unterstützt der Iran offen Terrorgruppen in Syrien, drohen erneut Sanktionen des Westens.

Das will IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi erreichen

Das Ziel der Terrororganisation „Islamischer Staat“ ist klar: Durch einen „Heiligen Krieg“ will IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi die Herrschaft über Syrien erreichen – als Sprungbrett für ein globales Kalifat. Angst und Terror zu verbreiten ist Teil der Strategie bei diesem Feldzug, in dem mehrere Tausend IS-Kämpfer an der Seite von Baghdadi stehen. Doch zuletzt verlor der IS durch Luftschläge und Angriffe der Kurden in Syrien 20 Prozent seines Territoriums, im Irak sogar 40. Hier scheint der Siegeszug des IS vorerst gestoppt. Doch in anderen zerfallenen Staaten wie Libyen breiten sich die Terroristen aus.

Die Ziele der Rebellen in Syrien

Die Opposition ist die große Unbekannte in diesem Krieg. 800 bis 1000 Gruppen kämpfen in der Region – manche sind Terroristen wie der al-Qaida-Ableger Nusra Front oder Islamisten vom „Syrischen Nationalrat“, andere sind gemäßigte Oppositionelle und wollen Demokratie. Auch die „Freie Syrische Armee“ gehört zur Opposition. Sie setzt sich aus Deserteuren der Streitkräfte Assads zusammen. Einig sind sich die Rebellen nur in einem Ziel: Sie wollen den Sturz Assads. Mal paktieren sie, mal kämpfen sie gegeneinander. Von dieser Zerstrittenheit profitiert Assad. Die Rebellen sind die großen Verlierer der aktuellen Kämpfe.

Bald soll eine Waffenruhe gelten. Das wurde bei der Münchner Sicherheitskonferenz vereinbart. Doch es ist unwahrscheinlich, dass diese eingehalten wird. Machthaber Assad spottet: Von einer Feuerpause wolle der Westen nur etwas wissen, wenn die von ihnen unterstützte Rebellen litten. Ein deutscher Diplomat deutete die Lage so: „Alle kämpfen gegen alle.“

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