Studie: Zuwanderung aus Afrika wird sich verstärken

Bootsflüchtlinge aus Afrika im Mai 2017 bei ihrer Ankunft auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa.
Bootsflüchtlinge aus Afrika im Mai 2017 bei ihrer Ankunft auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa.
Foto: Christian Marquardt / imago/ZUMA Press
Hunger, Armut und Kriege treiben die Menschen aus der Subsahara nach Europa. Laut einer Studie planen Millionen ihre Auswanderung.

Berlin.  Die Zuwanderung aus Afrika nach Europa könnte weiter zunehmen. Bis zu zwei Drittel der Menschen in Ländern wie Nigeria und Ghana möchten am liebsten auswandern. Laut einer Studie des amerikanischen PEW-Instituts sind die bevorzugten Ziele Europa und die USA.

Das Forschungsinstitut befragte nach eigenen Angaben Menschen in den sogenannten subsaharischen Staaten. Das sind Länder, die südlich der Sahara liegen. Dabei zeigte sich nicht nur, dass seit 2010 mindestens eine Million Menschen aus dieser Region nach Europa kamen – dieser Trend dürfte sich auch fortsetzen.

Viele wollen binnen fünf Jahren aufbrechen

So gaben zwei Drittel der von PEW Befragten in Ghana (75 Prozent) und Nigeria (74 Prozent) sowie rund die Hälfte in Kenia, Tansania, dem Senegal und Südafrika an, am liebsten auswandern zu wollen.

Bei vielen Menschen in diesen Ländern ist demnach der Wunsch schon in einen mehr oder minder konkreten Plan umgeschlagen. Etwa 40 Prozent im Senegal, in Ghana und Nigeria gaben an, spätestens in fünf Jahren aufbrechen zu wollen. In Südafrika und Kenia ist es etwa jeder Fünfte, der schon bald sein Glück im Westen suchen will.

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In der Subsahara leben insgesamt rund eine Milliarde Menschen. Und die Bevölkerung in den meist sehr armen Staaten, deren Pro-Kopf-Einkommen im weltweiten Vergleich ganz am Ende steht, wächst sehr schnell. Die Arbeitslosigkeit dürfte somit ebenfalls in den meisten Ländern steigen. Hinzu kommen politisch instabile Verhältnis, Bürgerkriege und Terrorismus.

Gefahr von Hungersnöten steigt

UN-Experten erwarten, dass sich die Zahl der Einwohner in Afrika insgesamt bis 2050 auf 2,5 Milliarden verdoppeln wird. Bis zum Jahr 2100 werden demnach 40 Prozent aller Menschen, also rund 4,5 Milliarden, in Afrika leben.

Mit der Zahl der Menschen steigt auch die Gefahr von Hungersnöten. Erst Ende Februar etwa hatten die Vereinten Nationen vor einer neuen humanitären Katastrophe im Südsudan gewarnt. „Die Situation ist extrem instabil und wir stehen kurz vor einer weiteren Hungersnot“, sagte Serge Tissot, Leiter der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation im Südsudan.

Das Land besitzt eigentlich große Ölquellen, wird aber seit 2013 von einem Bürgerkrieg beherrscht. Zehntausende wurden bislang getötet, etwa vier Millionen Südsudanesen sind geflohen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte Ende Februar angekündigt, sich künftig mehr für eine Besserung der Lage in afrikanischen Ländern einsetzen zu wollen. Es müsse um wirkliche Entwicklung gehen und nicht nur um Unterstützung, so Merkel: „Wir müssen lernen, mit unserer Entwicklungspolitik wirtschaftliche Entwicklung in Gang zu bringen.“ Es gehe darum, „große Infrastrukturprojekte in Gang zu bringen, Start-ups zu fördern, den Mittelstand voran zu bringen, damit daraus auch Arbeitsplätze entstehen“.

 
 

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