Studie: Rechtsextremismus ist ein ostdeutsches Problem

Teilnehmer eines geplanten Aufmarsches der rechten Szene warten in Halle/Saale.
Teilnehmer eines geplanten Aufmarsches der rechten Szene warten in Halle/Saale.
Foto: Jens Schlueter / dpa
  • Der Politologe Franz Walter hat eine Analyse zum Rechtsextremismus veröffentlicht
  • Schuld am mangelnden Kampf gegen Rechts sei auch die CDU in Sachsen
  • Rechtsextremismus sei jedoch nicht nur eine Ost-West-, sondern eine Stadt-Land-Frage

Berlin.  Ostdeutsche sind nach einer neuen Studie in besonderer Weise anfällig für Rechtsextremismus. Gründe dafür seien zwei aufeinanderfolgende Diktaturen, die Homogenität der einstigen DDR-Gesellschaft und die Veränderungen nach dem Mauerfall, zitierte die „Berliner Zeitung“ am Donnerstag vorab aus der Untersuchung des Göttinger Instituts für Demokratieforschung.

Neben spezifisch ostdeutschen Ursachen gibt es laut der Studie auch „bedeutsame regionale Spezifika“, die erst „in der Summe ein Klima schaffen, in dem Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit gedeihen können“. Es gebe eine deutliche Ost-West-Divergenz hinsichtlich der Neigung zur Fremdenfeindlichkeit. Die Analyse sollte am Mittag von der Bundesbeauftragten für die neuen Länder, Iris Gleicke, in Berlin vorgestellt werden.

Auch ein Problem zwischen Stadt und Land

Nur auf die Unterschiede zwischen Ost und West wollen sich die Autoren bei ihrer Ursachenforschung aber laut „Berliner Zetung“ nicht beschränken. Rechtsextremismus sei auch „ein Zentrum-Peripherie-Problem“. Diese spezifische regionale Faktoren seien allerdings im Osten stärker ausgeprägt.

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Ein großes Manko sehen die Forscher um Franz Walter auch bei den Politikern vor Ort und ihrem mangelnden Widerspruch zu rechten Umtrieben. Vor allem mit der Situation in Sachsen und der Rolle der sächsischen CDU gehen die Forscher hart ins Gericht. So gebe es ein großes Misstrauen der sächsischen Union gegenüber der zivilgesellschaftlichen Szene. Die Landesregierung habe das Phänomen Rechtsextremismus lange Zeit unterschätzt.

Studie ist keine umfassende empirische Arbeit

In dem Bericht werden laut Zeitung Befragte zitiert, dass sie sich bis heute gering geschätzt fühlten. Sie beklagten demnach, dass westdeutsche Journalisten und Politiker oft den Eindruck erweckten, als ob Rechtsextremismus im Osten weiter verbreitet sei als in den alten Ländern. Dies wirke sich negativ auf die Bereitschaft zur Auseinandersetzung ein, zitiert die „Berliner Zeitung“ die Autoren der Studie. Die Beauftrage fpr die neuen Bundesländer, Iris Gleicke (SPD), sagte laut der Nachrichtenagentur epd, dass Vorschläge mit erhobenem Zeigefinger deshalb auch nicht weiterhelfen würden.

Die Studie ist keine flächendeckende empirische Untersuchung, heißt es in der Zeitung. Stattdessen hätten die Forscher zwei Regionen herausgegriffen: Die Region um Dresden mit den Städten Freital und Heidenau – und Erfurt mit dem Stadtteil Herrenberg. Beide Regionen waren durch fremdenfeindliche Proteste aufgefallen. (epd/dpa/sdo)

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