Studie bestätigt: Kirchliche Mitarbeiter quälten und missbrauchten Jungen in katholischem Internat in der Eifel

Kardinal Rainer Maria Woelki spricht von schockierenden Erkenntnissen durch die Studie zu Missbrauchsfällen am Collegium Josephinum in Bad Münstereifel.
Kardinal Rainer Maria Woelki spricht von schockierenden Erkenntnissen durch die Studie zu Missbrauchsfällen am Collegium Josephinum in Bad Münstereifel.
Foto: Marius Becker / dpa
Die Aufarbeitung in der Katholischen Kirche geht weiter. Eine Studie bestätigt schlimme Befürchtung zu einem Internat in der Eifel.

Köln.  In einem katholischen Internat in der Eifel haben kirchliche Mitarbeiter über Jahrzehnte Jungen gequält und missbraucht. Zu diesem Ergebnis kommt ein wissenschaftlicher Bericht im Auftrag des Erzbistums Köln, der am Mittwoch vorgestellt wurde.

Demnach gab es am Collegium Josephinum in Bad Münstereifel bis in die 1970er Jahre hinein Gewalt und ein „System des Machtmissbrauchs“. Kardinal Rainer Maria Woelki sagte, die Ergebnisse der Studie seien schockierend und erfüllten ihn mit großer Trauer.

Woelki bat die Opfer erneut um Vergebung. „Solche Verbrechen dürfen in unseren Einrichtungen nie wieder begangen werden“, sagte er. „Der Bericht zeigt, dass systemisches Versagen großes individuelles Leid bewirkt hat. Mangelnde Ausbildung und fehlende Kompetenz haben zu einer Situation des Wegsehens geführt, in der Kinder schutzlos Gewalt und Missbrauch ausgeliefert waren.“

Erzbistum hatte Studie 2015 angestoßen

Das Erzbistum hatte die Studie 2015 auf Initiative von früheren Gewaltopfern in Auftrag gegeben. „Es ist kein Bericht über Betroffene, sondern ein Bericht von den Betroffenen“, betonte Autorin Prof. Claudia Bundschuh. Wie viele Jungen in dem 1997 geschlossenen Konvikt tatsächlich Opfer von Missbrauch und Gewalt wurden, lasse sich nicht ermitteln. In die Untersuchung seien die Angaben von rund 100 Ehemaligen eingeflossen – darunter auch Schüler, die keinerlei Gewalterlebnisse hatten.

Als Folge der Studie seien bereits gegen zwei beschuldigte Priester personalrechtliche Konsequenzen gezogen worden, berichtete der Interventionsbeauftragte des Erzbistums, Oliver Vogt. Beide dürften nicht mehr in der Öffentlichkeit Gottesdienste zelebrieren, einer von ihnen sei in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden. Über das weitere Vorgehen entscheide die Glaubenskongregation des Vatikan. Zivilrechtlich seien die Taten verjährt.

Änderungen an der Priesterausbildung

Um ähnliche Taten zu verhindern, soll unter anderem die Priesterausbildung verändert werden: Ein Fokus müsse künftig auch „auf der sittlich moralischen Reife“ der Kandidaten liegen, sagte Woelki. An den Erzbischöflichen Schulen seien schon vor längerer Zeit Maßnahmen ergriffen worden, um für das Thema zu sensibilisieren und „eine Kultur des Wegsehens“ zu vermeiden.

Die Untersuchung ist unter den Ex-Schülern umstritten. Einige von ihnen sehen das Internat und seine Mitarbeiter zu Unrecht am Pranger. Nach Drohanrufen vor der Abschlusspräsentation hatte das Erzbistum eine für Mittwoch geplante öffentliche Informationsveranstaltung abgesagt. (dpa)

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