Streit zwischen Iran und Israel spitzt sich zu

Gil Yaron, Dirk Hautkapp
Die Kriegsgefahr im Nahen Osten wird größer. Israel und Iran drohen sich gegenseitig mit Gewalt. Israels Regierung setzt offenbar auf schnelles Handeln. Die USA sind in größter Sorge.

Tel Aviv/Washington. Seit Jahren dominiert Irans Atomprogramm Israels Schlagzeilen. Es gilt als existentielle Gefahr. Diese Woche brach auf beiden Seiten ein Damm der Zurückhaltung. Am Freitag bezeichnete Irans Oberster Führer Ayatollah Ali Khamenei Israel als „Tumor, der entfernt werden muss“. In einer Ansprache sagte Khamenei, dass der Iran bereits heute einen Stellvertreterkrieg gegen Israel führt. Der Iran sei auf direkte Weise an den „Siegen“ der libanesischen Hisbollahmiliz und der Hamas in Gaza in Waffengängen gegen Israel beteiligt gewesen. In Zukunft werde man „jeder Nation oder Gruppierung helfen, die gegen das zionistische Regime kämpfen will.“

Israelische Militärs und Politiker sprachen ebenfalls in scharfen Worten vom Feind im Osten. Fast die gesamte Führung des Sicherheitsapparats deutete einen Präventivschlag gegen Irans Atomprogramm an. Laut Washington Post befürchtet US-Verteidigungsminister Leon Panetta, Israel werde den Iran noch vor Juni attackieren. Panetta stritt dies nicht ab. Im Juni, so meint Verteidigungsminister Ehud Barak, betrete der Iran eine Phase der „Immunität“. Er könne dann seine Aktivitäten in fast unangreifbare Bunker verlegen, die in 100 Meter tiefen Stollen im Gebirge eingebettet sind. Danach könnten nur noch die USA Iran stoppen. Darauf will Israel sich nicht verlassen. „Wer sagt, man solle später handeln, könnte feststellen, dass später zu spät ist.“, so Barak. Vizepremier Mosche Yaalon sagte, Iran müsse „so oder so gestoppt“ werden: „Jede Einrichtung im Iran kann zerstört werden, dass sage ich aus meiner Erfahrung als ehemaliger Generalstabchef“, so Yaalon.

In Washington lösen die Signale Ehud Baraks Besorgnis aus. Die US-Regierung rät von einem militärischen Alleingangs Israels ab. Zum einen fürchtet sie, dass die Wirkung zeigenden Wirtschaftssanktionen gegen Iran sonst gegenstandlos würden. Zum anderen könnte ein Erstschlag eine Kettenreaktion in der Region auslösen. Szenarien, die sich die Obama-Regierung im Wahljahr ersparen will.

Amerika müsste helfen

Die USA erklären sich seit 60 Jahren zur Schutzmacht Israels. Sollte ein Angriff auf iranische Atomanlagen Vergeltungsschläge auslösen, heißt es in Washington, „wäre Obama gezwungen, Israels Premier Netanjahu beizustehen“. Zumal die Republikaner mit ihrem Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney keine Gelegenheit auslassen, für eine militärische Lösung gegen Teheran zu werben und Obama als Schwächling zu karikieren. Obama und Verteidigungsminister Panetta haben außerdem die Befürchtung, dass Teheran nach einem israelischen Angriff die Seestraße von Hormuz und damit die wichtige Öl-Route ins Visier nehmen könnte; mit Folgen für den Öl-Preis und die Weltwirtschaft.