Straßen und Brücken bröckeln in Deutschland

Essen.  Ein Regierungsbericht nennt den Zustand vieler Autobahn-Bauwerke „nicht ausreichend“ oder „mangelhaft“. Brücken sind für die Straßenbauer Sorgenkind Nr. 1. Hier treten verstärkt Schäden auf - von 120 000 Bauwerken hätten laut einem Experten 40 000 eine Sanierung nötig.

Öffentliche Bauten und Verkehrswege werden zunehmend Sanierungsfälle. 5000 Brücken an Autobahnen und Bundesstraßen weisen schwere Baumängel auf. Davon geht die Bundesregierung im neuen Straßeninvestitionsbericht aus, der der WAZ vorliegt.“

Deshalb deutet die Regierung die Notwendigkeit von vorzeitigem Abriss an: Ältere Bauwerke auf hoch belasteten Strecken könnten den Verkehr „nur noch eine begrenzte Zeit aufnehmen“, heißt es. In dem Bericht werden nur noch für 4,9 Prozent der Brücken sehr gute und für 10,7 Prozent gute Noten vergeben. Zum Vergleich: 2008 erhielten 5,3 Prozent das Siegel „Sehr gut“, 11,1 Prozent ein „Gut“.

Belastung durch Schwertransporter

Brücken sind für die Straßenbauer Sorgenkind Nr. 1. Hier treten verstärkt Schäden auf, räumt die Regierung ein: Nicht nur hohes Alter sei ein Auslöser für die Schäden, sondern auch der stark gestiegene Verkehr. Berlin macht „stark ansteigende Genehmigungen von Schwertransporten“ für die Lage verantwortlich wie auch „die überproportionale Zunahme des Güterverkehrs“.

Der Bochumer Brücken-Experte Prof. Martin Mertens sagte der WAZ, von geschätzt 120 000 Brückenbauwerken bei Bund, Ländern und Kommunen hätten wohl 40 000 eine Sanierung nötig. „Die meisten Brücken wurden in den 60er, 70er Jahren gebaut. Sie kommen ins Alter“. Zwar würden Bund und Länder eine „hervorragende Aufsicht führen. Man muss keine Angst haben, dass etwas zusammenkracht“. Die Standfestigkeit sei meist ungefährdet. Kleinere Kommunen aber hätten da oft Probleme. Mertens: „Insgesamt hinkt man bei den Investitionen hinterher“.

Schlecht ist laut Regierung der Fahrbahn-Zustand der Bundesstraßen. 40 Prozent der Strecken gelten als angeschlagen. Jede fünfte erhält sogar die Note „sehr schlecht“. Gewaltigen Nachholbedarf attestiert Stefan Schneider vom Deutschen Institut für Urbanistik (difu) den kommunalen Straßen. Bis 2020 müssen 161,6 Milliarden Euro für Sanierungen und Ersatz aufgewendet werden, glaubt er.

 
 

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