„Stoff“ vom Staat außer Kontrolle – von Matthias Korfmann

Kaum zu glauben: Seit Jahren bekommen schwerst suchtkranke Menschen Drogen auf Rezept – und bis heute weiß keiner so recht, wie gut diese Behandlung funktioniert.

Suchtexperten warnen: Mindestens jeder dritte, vielleicht sogar jeder zweite dieser Patienten konsumiert nebenbei Kokain, Heroin, Beruhigungsmittel oder große Mengen Alkohol. Auf der Straße wird munter mit Opiaten gehandelt, die aus der Drogenersatztherapie stammen. Kontrolle? Meist Fehlanzeige.

Wenn der Staat selbst als „Dealer“ von eigentlich illegalen Substanzen auftritt, dürfen wir deutlich mehr Verantwortungsbewusstsein voraussetzen. Es reicht eben nicht, einem Kranken den „Stoff“ zu geben, den er so dringend braucht. Ohne aufmerksame und professionelle Begleitung schafft er den Weg in ein halbwegs normales Leben nicht. Das alte, das riskante, das zur Sucht verführende Leben lässt sich eben nicht so leicht abschütteln. Jeder weiß das, aber so richtig ernst wird dieses Wissen nicht genommen.

In manchen, hoffentlich seltenen Fällen ist die Substitutionsbehandlung nicht mehr als ein gutes ärztliches Geschäft. Wohl gemerkt: Es kann nicht darum gehen, diese Art der Therapie insgesamt zu verteufeln. Für einige Patienten mag sie ein Segen sein. Für viele aber ist sie nur eine weitere verpasste Chance.

 
 

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