Steinmeier gedenkt Nazi-Opfern bei Staatsbesuch in Athen

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (l.) und seine Frau Elke Büdenbender werden von Michalis Selekos (r.), Bürgermeister von Chaidari, durch das ehemalige Konzentrationslager Chaidari westlich von Athen geführt.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (l.) und seine Frau Elke Büdenbender werden von Michalis Selekos (r.), Bürgermeister von Chaidari, durch das ehemalige Konzentrationslager Chaidari westlich von Athen geführt.
Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa
In Athen bittet Bundespräsident Steinmeier um Verzeihung für Nazi-Verbrechen. Griechenland fordert Zahlungen in Milliardenhöhe.

Athen.  Seit Mittwoch ist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Athen. Donnerstag traf er neben Präsident Pavlopoulos auch Ministerpräsident Alexis Tsipras und den Oppositionsführer Kyriakos Mitsotakis. Als ersten Termin stand am Donnerstagmorgen der Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Chaidari bei Athen auf dem Programm.

Nach dem Besuch der KZ-Gedenkstätte bei Athen hatte der Bundespräsident um Verzeihung für die Verbrechen während der deutschen Besatzung gebeten. Bei einem Treffen mit dem griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras sagte Steinmeier am Donnerstag in Athen, es seien in dem Lager Chaidari unvorstellbare Grausamkeiten im Namen Deutschlands begangen worden.

„Wir verneigen uns vor den Opfern“, sagte Steinmeier. „Vor allen Dingen bitten wir um Verzeihung hier in Griechenland für das, was geschehen ist.“ Während der deutschen Besatzung waren in dem Lager Chaidari bis zu 25.000 Menschen interniert.

Moralische und politische Schuld Deutschlands nicht vergessen

Nach 1941 kam es an vielen Orten Griechenlands zu Massenerschießungen und anderen Gräueltaten. Allein 60.000 bis 70.000 jüdische Griechen wurden ermordet.

Die moralische und politische Schuld Deutschlands dürfe nicht vergessen werden, sagte Steinmeier weiter. Dies gelte ungeachtet unterschiedlicher Rechtspositionen, betonte er mit Bezug auf die umstrittenen griechischen Reparationsforderungen.

Deutschland lehnt griechische Reparationsforderungen weiter ab

Tsipras sagte, es sei notwendig, Differenzen und Stereotypen zwischen Deutschland und Griechenland hinter sich zu lassen. Gleichzeitig dürfen die beiden EU-Partner aber Unterschiede in der Bewertung der „fernen Vergangenheit“ nicht ignorieren.

Diese sollten auf der Grundlage des Internationalen Rechts gelöst werden, „das wir alle respektieren“, meinte Tsipras. Deutschland lehnt die griechischen Reparationsforderungen in dreistelliger Milliardenhöhe mit Verweis auf völkerrechtliche Verträge zurück.

Gysi äußerte im Vorfeld Verständnis für Forderungen

Der Chef der europäischen Linken, Gregor Gysi , hatte vor dem Staatsbesuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Griechenland Verständnis für Forderungen des Landes nach Wiedergutmachung aus der Nazizeit geäußert.

„Mir liegt ein bisschen auf der Seele, dass das damals besetzte Griechenland vom Nazi-Regime zur Zahlung eines Zwangskredits verpflichtet wurde“, sagte der Vorsitzende der deutsch-griechischen Parlamentariergruppe im Bundestag dieser Redaktion. (dpa/msb)

 
 

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