Steinbrück gegen Merkel im direkten Vergleich - der Kanzler-Check

Wie gut sind die Aussichten des SPD-Kandidaten gegen die Bundeskanzlerin? Peer Steinbrück will im nächsten Jahr Kanzler werden. Der Parteivorstand hat ihn nun als Kanzlerkandidaten nominiert - einstimmig. Steinbrück setzt auf Attacke gegen Merkel. Wie gut sind seine Aussichten? Eine Analyse.

Berlin.. Peer Steinbrück will Kanzler werden, also geht er zum Angriff auf Merkel über. In zwölf Monaten werde es diese Bundesregierung nicht mehr geben, die SPD setze „auf Sieg“, sagte er am Wochenende. Jetzt hat der SPD-Parteivorstand Steinbrück einstimmig als Kanzlerkandidat für 2013 nominiert. Für den 65-jährigen früheren Bundesfinanzminister habe es in der Sitzung keine Gegenstimme gegeben, heißt es aus Parteikreisen. Doch wie gut sind Steinbrücks Aussichten im Vergleich zu Kanzlerin Merkel wirklich?

Wahlkampftauglichkeit

Steinbrück hat seine bisher einzige Wahl (in NRW) verloren. Er geht aber mit hoher Motivation, Einsatz und Kampfgeist ins Rennen. Der SPD-Mann ist kein Menschenfänger, aber als brillanter Redner beherrscht er grobe Angriffe wie feine Ironie.

Merkel hat noch keine Wahl überzeugend gewonnen. Im Wahlkampf ist sie eher verhalten. Sie tritt uneitel und authentisch auf, ist aber keine große Rednerin. Im TV-Duell könnte das gefährlich werden. Vorteil Steinbrück

Popularität

Bislang klar Merkels Trumpf. Im direkten Vergleich sprechen sich 53Prozent für die Kanzlerin aus, 36 Prozent für Steinbrück. Die Bürger schätzen auch ihre persönlich bescheidene Amtsführung.

Steinbrück liegt hinter Merkel. In einer Bams-Umfrage glaubt die Mehrheit nicht an seinen Sieg. Aber er hat Potenzial. In punkto Sympathie liegt er mit 37:42 Prozent nur knapp hinter der Kanzlerin. Steinbrück punktet mit seinen Anleihen bei Altkanzler Helmut Schmidt. Vorteil Merkel

Profil

Der Ex-Finanzminister steht für Wirtschafts- und Finanzkompetenz. Er hat ein klares Konzept in der Euro-Krise und schärft auch sein sozialpolitisches Profil. Für Konflikte könnte aber das Rentenkonzept von Parteichef Gabriel sorgen, das Steinbrück offenbar nicht schätzt. Mit seinem Pragmatismus dürfte er Wähler der CDU ansprechen. Steinbrück ist durchsetzungsstark, aber international wenig vernetzt.

Merkel inszeniert sich als präsidiale Kanzlerin, die innenpolitisch über dem Parteien-Streit steht und außenpolitisch wie in der Euro-Krise deutsche Interessen verteidigt. Sie moderiert lieber als zu führen. Merkel ist flexibel und pragmatisch, sie versucht der SPD so wenig Angriffsfläche wie möglich zu bieten. Sie beherrscht nach sieben Kanzlerjahren alle Themen und ist international hoch geachtet. Unentschieden

Koalitionspartner

Steinbrück will offiziell Rot-Grün. Die Aussichten sind ungewiss, doch bemühen sich beide Parteien um Nähe. Lieber wäre Steinbrück vermutlich Chef einer Großen Koalition, aber das dürfte Wunschtraum bleiben. Option: Mit ihm scheint auch eine Ampel mit Grünen und FDP denkbar.

Merkel will offiziell Schwarz-Gelb fortsetzen, tatsächlich sind die Mehrheitsaussichten schlecht und das Verhältnis zur FDP eisig, wofür auch die Kanzlerin mitverantwortlich ist. Eine Koalition mit der SPD wäre ihr wohl nicht unrecht. Vorteil: Steinbrück

Amtsbonus

Als Kanzlerin kann Merkel permanent Aufmerksamkeit organisieren. Auf internationaler Bühne spielt sie eine wichtige Rolle, das wird Merkel medial voll ausreizen. Ohnehin ist in Krisenzeiten die Neigung, den Regierungschef zu wechseln, eher gering; eine Wechselstimmung beobachten Demoskopen nicht.

Steinbrück hat Regierungserfahrung, als Chef, Minister und Beamter, aber er ist seit drei Jahren nur Abgeordneter. Bisher traten alle bundesdeutschen SPD-Kandidaten aus Spitzenpositionen in Regierung, Bundestag oder als Ministerpräsidenten an. Vorteil: Merkel

Geschlossenheit

Die Union ist nicht mehr durchweg begeistert von Merkel, aber gefährliche Kritiker hat sie derzeit keine. Die CSU könnte wegen der parallelen Landtagswahlen in Bayern diesmal die Nerven verlieren.

Steinbrück muss Teile der SPD erst für sich gewinnen, die Parteilinke macht Druck. Hessens SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel sagte bereits, dass die Zeit der Basta-Politik vorbei sei. Vorteil: Merkel

 
 

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