Steinbrück bringt sich als Kanzlerkandidat ins Spiel

Dirk Hautkapp
Peer Steinbrück hat sich in einem Interview als Kanzlerkandidat der SPD ins Spiel gebracht. Nicht alle Parteimitglieder sind davon begeistert. Generalsekretärin Andrea Nahles rügte den Vorstoß prompt.

Berlin. Andrea Nahles re­a­gierte wie aus der Pistole geschossen. Kaum liefen die Meldungen über Peer Steinbrücks Äußerungen zur Kanzlerkandidatur über die Ticker, brachte die Generalsekretärin der Sozialdemokraten einen Tadel in Umlauf: „Selbstausrufungen sind in einer modernen demokratischen Partei wie der SPD aus der Mode gekommen.“ Das saß.

Ex-Finanzminister Peer Steinbrück hatte sich in einer Fernseh-Talkshow zur Kandidaten-Frage geäußert. Und war dabei, wie ein Berliner Spitzengenosse sagte, „Opfer der medialen Verwertungsketten geworden“.

„Peer Steinbrück bringt sich als möglicher Kanzler-Kandidat in Stellung“, lautete der redaktionelle Hinweis, den der Hessische Rundfunk am Samstag nach Aufzeichnung der Sendung öffentlich machte. Bei genauer Betrachtung hatte Steinbrück in der Sendung allerdings mehrfach be­tont, dass er eine Kandidatendebatte zum jetzigen Zeitpunkt für völlig daneben hält, weil sie mehr „irritieren und belasten“ würde. Die Begründung lieferte er gleich mit: „Jede Bemerkung von mir wird interpretiert und an­schließend habe ich wieder sieben Tage Aufräumarbeit.“

„Der Zeitpunkt wird kommen...“

Dass sie unverzüglich einsetzte, folgte aus der Antwort auf die Frage nach seinen eigenen Ambitionen auf die Kandidatur: „Der Zeitpunkt wird kommen, wo ich mich in Absprache mit zwei oder drei Führungspersönlichkeiten der SPD darüber zusammensetze.“ Steinbrück denkt an „Ende 2012, Anfang 2013“.

Neben Generalsekretärin Nahles befeuerten andere SPD-Spitzen die Schlacht um die Deutung. Der Kieler SPD-Chef Ralf Stegner, rief in Erinnerung, dass neben Parteichef Sigmar Gabriel und Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier auch NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft als Kandidatin in Frage komme. Was seit Monaten parteiintern bekannt ist.

Auch Kraft kommt in Frage

Gabriel und Kraft wollten den Vorgang gestern auf Anfrage nicht kommentieren. Steinmeier nahm Steinbrück in Schutz. Steinbrück habe, was den Zeitpunkt angeht, völlig recht. Davon abgesehen seien hohe Beliebtheitswerte (die derzeit vor allem Steinmeier genießt) nicht die entscheidende Voraussetzung für dem Job: „Wer Kanzlerkandidat werden will, muss vor al­lem Politik können“, sagte Steinmeier.

Dass Steinbrück diese Qualifikation besitzt, steht für Garrelt Duin außer Frage. Der Sprecher des einflussreichen rechten Seeheimer Kreises sagte als Replik auf den Rüffel von Nahles: „Natürlich gehört er zu dem Kreis potenzieller Kandidaten und ich bin froh, dass er das auch so sieht.“

„Das bewegt die Menschen nicht“

Der Sprecher der SPD-Linken, Björn Böhning, tickt anders. „Debatten um Kanzlerkandidaten bewegen nur die Zeitungen, aber sie bewegen die Menschen nicht.“ Ob Peer Steinbrück dem beipflichten würde? Einem Magazin sagte er vor wenigen Wochen diesen schönen Satz: „Parteien, die nur auf Selbstbestätigung aus sind, und Politiker, die von Tatsachen unbeeindruckt Kommentare abgeben, tragen nicht unerheblich zum Politikverdruss bei.“