Stammt die Rotlicht-Verleumdung gegen Bettina Wulff aus der CDU?

Miguel Sanches
Die frühere First Lady will mit einem Buch und einer eigenen Werbeagentur neu starten - und geht deswegen juristisch gegen Google und andere Quellen der üblen Gerüchte vor. Der Versuch, die Deutungshoheit über das eigene wiederzuerlangen führt auch zu der Frage, woher die Attacke kam.

Berlin. Wer Bettina Wulff googelt, dem bietet die Suchmaschine automatisch zwei Stichworte an, „Prostituierte“ und „Escort“, mit über 50.000 Eintragungen. Die ehrverletzenden Gerüchte will die frühere First Lady nicht länger ertragen. Sie reichte am Freitag eine Klage bei der Pressekammer des Hamburger Landgerichts ein. „Google“ hat nach eigenen Angaben schon fünf ähnliche Verfahren in Deutschland geführt – und allesamt gewonnen. Für die Frau des früheren Bundespräsidenten Christian Wulff wird es ein zäher juristischer Kampf.

Es ist allerdings einen Versuch wert, die Deutungshoheit über das eigene Leben wiederzuerlangen. Dazu passt, dass sie sich beruflich neu orientiert und mit einer PR-Agentur selbstständig gemacht hat. „Ich fühle mich frei, weil ich mein eigener Chef bin“, verriet sie dem Magazin „Focus“. Das Landleben in Großburgwedel ist zu ruhig. „In dem Alter, in dem mein Mann und ich sind, kann man sich unmöglich auf ein Altenteil zurückziehen“, sagte die 38-jährige Frau jüngst der „Neuen Presse“.

GerüchteDie Gerüchte über eine Trennung verstummen

In London war sie bei den Paralympics. Dort arbeitete sie als Botschafterin für das Duderstädter Unternehmen Otto Bock; ein alter Kontakt aus der Zeit, als ihr Ehemann Ministerpräsident von Niedersachsen war. Ihr Ehemann kündigte sich während der Paralympics zum Besuch an. Das ließ wiederum alle Gerüchte über eine Trennung verstummen. Für ihn ist es keine einfache Zeit. Die Kette der Indiskretionen reißt nicht ab. „Focus“ schildert, wie er einst versuchte, mit seiner Frau in der Welt der Reichen Schritt zu halten. Angeblich musste er eine teure Uhr und Bücher verkaufen. Was ist wahr und was nur ein Gerücht?

Gespannt ist man darauf, was Bettina Wulff in einem Buch richtig stellen wird. Es soll „Jenseits des Protokolls“ heißen und wird laut „Süddeutsche Zeitung“ in diesem Monat erscheinen. Frau Wulff wird viel Aufmerksamkeit erfahren. Das würde erklären, warum sie jetzt die Publizität mit „Google“ in Kauf nimmt.

Autovervollständigung Wohlgemerkt: Ein Opfer-Typ ist sie ohnehin nicht. Sie hat sich oft gewehrt. Offenbar gaben mehr als 35 Blogger und Medien Unterlassungserklärungen ab, am letzten Freitag Talkmaster Günther Jauch. Die Streitfälle gingen meist diskret, ohne großes Aufsehen über die Bühne, einschließlich der Zahlungen von Schmerzensgeld. Aber es sind keine makellosen Siege, so lange die Gerüchte in der Endlosschleife des Internets bleiben. Es lag nach den vielen Einzelsiegen vor Gericht nahe, nun gegen „Google“ vorzugehen. Ein kleiner Trost: Dass ihre Klage Wellen schlagen wird, dürfte dem Verkauf ihres Buches helfen.

Eidesstattliche Erklärung

Bettina Wulff und ihre Juristen gehen sehr bedacht vor. Laut „Süddeutsche Zeitung“ gab sie eine eidesstattliche Erklärung ab, dass alle Behauptungen über ein Vorleben im Rotlicht-Milieu – oder als Escort-Dame – falsch seien. Tatsächlich: Bis heute wurde kein Gerücht bewiesen. Die Zeitung glaubt, die schmutzige Quelle zu kennen. Die Gerüchte stammten demnach aus CDU-Kreisen in Hannover. Dann wäre sie das Opfer einer Intrige gegen ihren Mann.

In Niedersachsen steht im Januar 2013 eine Wahl an. Wen wundert es, dass die SPD versucht, aus der Geschichte Honig zu saugen. In Berlin forderte ihr Fraktionsmanager Thomas Oppermann Ministerpräsident David McAllister auf, alle Vorwürfe aufzuklären. Ein großes Wort, gelassen ausgesprochen.