Stärkt den Lehrern den Rücken!

Julia Emmrich über Schule

Hut ab vor unseren Schulen! Sie sind nicht in die Knie gegangen – sondern haben tief Luft geholt und in die Hände gespuckt: Allein an Rhein und Ruhr gehen in diesem Jahr 40 000 Flüchtlingskinder in die Schule – im nächsten Jahr kommen noch einmal so viele dazu. Leicht ist das nicht. In vielen Schulen fehlt es an Personal, Platz und der nötigen Menge an Planbarkeit, die für den Schulalltag so wichtig ist. Doch von Scheitern kann keine Rede sein.

Viele Lehrer müssen seit Monaten auf Sicht fahren: In etlichen Schulen kommen jede Woche neue Kinder an und müssen in den Schulbetrieb eingebunden werden. Da kommen Kinder und Jugendliche, die schon fast alles können und andere, die noch Analphabeten sind. Die Tochter des syrischen Akademikers oder der afghanische Junge, der sich seit Monaten alleine durchschlägt – sie sitzen jetzt in einem Raum und wollen Deutsch lernen. Gleichzeitig gibt es einen Drehtüreffekt: Wird eine Familie weitergeschickt oder abgeschoben, werden die Kinder wieder aus der Klasse gerissen.

Leicht ist es auch deshalb nicht, weil niemand weiß, wie die Eltern der hiesigen Kinder auf Dauer reagieren. In einer aktuellen Umfrage wurden die Deutschen gefragt, ob sie sich Sorgen machen, dass wegen der Flüchtlinge die Qualität des Unterrichts sinke. 53 Prozent machen sich keine Sorgen. Aber immerhin 44 Prozent tun das. Darunter dürften diejenigen sein, deren Kinder in diesen Tagen auf Sportunterricht verzichten müssen, weil die Turnhallen als Flüchtlingsunterkunft gebraucht wird – und wohl auch diejenigen, die Angst haben, dass die schon im normalen Schulalltag stark geforderten Lehrer sich nun auch noch um besonders bedürftige Kinder kümmern müssen. Die Sorgen sind verständlich.

Zumal mit der Einschulung der Flüchtlinge gerade einmal der allererste Anfang gemacht ist: Integration ist eine Langzeitaufgabe, die Kraft und Geduld kostet. Jeder Euro, der heute in zusätzliche Lehrerstellen fließt, ist deshalb gut angelegt. Lehrer sind die wichtigsten Integrationsmotoren – sie dürfen nicht in die Knie gehen. Wenn sie scheitern, scheitert das ganze Land.