Städte wollen Spielautomaten komplett aus den Kneipen verbannen

Zum Bierchen ein bisschen Zocken? Geht es nach Verbraucherschützern und dem Deutschen Städtetag, dann gehört das in den Kneipen bald der Vergangenheit an.
Zum Bierchen ein bisschen Zocken? Geht es nach Verbraucherschützern und dem Deutschen Städtetag, dann gehört das in den Kneipen bald der Vergangenheit an.
Foto: Tim Schulz/WAZ FotoPool
Im Kampf gegen die Glücksspielsucht sehen die Städte die Bundesregierung stärker in der Pflicht: Der Deutsche Städtetag fordert ein konsequentes Verbot von Geldspielgeräten in Gaststätten. Auch Verbraucherschützern geht die Neuauflage der Spielverordnung nicht weit genug.

Berlin.. Die Städte fordern von der Bundesregierung ein entschiedeneres Vorgehen zur Eindämmung der Spielsucht. Notwendig sei ein konsequentes Verbot von Geldspielgeräten in Gaststätten, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, Helmut Dedy, unserer Redaktion.

Dedy übte damit auch Kritik am Entwurf einer neuen Spielverordnung, den das Bundeswirtschaftsministerium vorgelegt hat. Darin würden längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, monierte Dedy. Auch die Verbraucherschutzbeauftragte der Unions-Bundestagsfraktion, Mechthild Heil, kritisierte, die Neufassung der Spielverordnung gehe nicht weit genug.

Das Wirtschaftsministerium will mit der Novelle die Auflagen für die Branche verschärfen, Geldspielautomaten bleiben aber auch in Gaststätten erlaubt - ihre zulässige Höchstzahl dort soll jedoch von drei auf zwei reduziert werden

Gabriel will Punktespiel verbieten

Zugleich will Minister Sigmar Gabriel (SPD) das so genannte Punktespiel verbieten, das in vielen Automaten installiert ist; dabei wird der eingeworfene Geldbetrag sofort in Punkte umgewandelt, gesetzliche Höchstgrenzen etwa zum Höchsteinsatz oder Maximalverlust werden umgangen.

Suchtexperten warnen seit Langem, das Punktespiel erhöhe das Suchtpotenzial noch einmal erheblich. Der maximale Verlust an einem Spielgerät pro Stunde wird nach dem Vorschlag des Wirtschaftsministeriums von 80 auf 60 Euro reduziert, der maximale Gewinn pro Stunde von 500 auf 400 Euro herabgesetzt werden. Außerdem werden so genannte Automatiktasten untersagt.

Spielverbot für Jugendliche wird oft nicht eingehalten

Das Kabinett wird den Plan voraussichtlich Ende September absegnen. Der Städtetag begrüßte zwar die Änderungen. Damit werde Forderungen von Suchtexperten Rechnung getragen, meinte Dedy. Doch notwendig sei ein konsequentes Verbot von Spielautomaten in Gaststätten: „Dies wäre ein klares Signal gewesen, dass es der Bundesregierung ernst ist mit der Bekämpfung der Spielsucht“, sagte Dedy.

Er beklagte, in der Gastronomie werde das Spielverbot für Jugendliche oft nicht eingehalten. Ein generelles Verbot des Automaten-Glücksspiels in Gaststätten fordert auch der Fachverband Glücksspielsucht seit längerem. Die Gerätehersteller warnen dagegen, durch solche Einschränkungen würden die Spieler nur ins Hinterzimmer oder ins Internet verdrängt, wo es weniger sozialer Kontrolle der Spielsüchtigen gebe.

Bundesweit gibt es 240.000 Geldspielautomaten

Bundesweit sind rund 240.000 Geldspielautomaten in Betrieb, ihre Zahl ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Rund eine halbe Million Menschen sind nach Expertenschätzung spielsüchtig oder zeigen ein problematisches Spielverhalten. Nach Angaben der Drogen- und Suchtbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), nimmt die Zahl der Spielsüchtigen weiter zu.

Eine besondere Gefahr stellten gewerbliche Spielautomaten dar, die gut zugänglich seien und außerhalb von Spielbanken auch nicht als Glücksspiel gelten würden, sagte sie unserer Zeitung. Vor allem junge Migranten und Arbeitslose seien beim Automatenspiel mit Gewinnmöglichkeit gefährdet: Sie verlören

 
 

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