Städte wollen halbe Milliarde Euro bei Anlegern einsammeln

Matthias Korfmann
Sechs Städte aus NRW planan die bislang größte kommunale Gemeinschaftsanleihe in Deutschland.
Sechs Städte aus NRW planan die bislang größte kommunale Gemeinschaftsanleihe in Deutschland.
Foto: dpa
Essen, Dortmund, Herne und drei weitere NRW-Kommunen planen eine Gemeinschaftsanleihe. Volumen: 500 Millionen Euro. Weil die Banken mit Krediten nicht mehr so freigiebig sind, werden neue Geldquellen gebraucht. Es geht vor allem darum, Altschulden abzulösen.

Essen/Dortmund/Herne. Sechs Städte aus NRW bereiten die bislang größte kommunale Gemeinschaftsanleihe vor. Die hoch verschuldeten Städte Dortmund, Essen, Herne, Solingen, Remscheid und Wuppertal wollen sich Anfang Februar am Kapitalmarkt eine halbe Milliarde Euro leihen, wie einer der beteiligten Kämmerer der WAZ bestätigte. Das frische Geld solle vor allem zur Umschuldung vorhandener Verbindlichkeiten dienen.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich mehrere deutsche Städte gemeinsam diese Alternative zu den klassischen Bankkrediten schaffen. Gerade erst haben Würzburg und Nürnberg erfolgreich die so genannte „Franken-Anleihe“ auf den Markt gebracht. Mit 100 Millionen Euro Volumen ist diese Anleihe aber eher eine kleine Nummer im Vergleich zur Gemeinschaftsanleihe der sechs NRW-Kommunen.

Essen lieh 2010 200 Millionen

Essen beschaffte sich schon 2010 insgesamt 200 Millionen Euro mit einer Anleihe – damals unter dem Eindruck der Finanzkrise. Die Revier-Metropole folgte dem Beispiel Hannovers, das kurz zuvor eine Anleihe auf den Markt gebracht hatte.

Neue Geldquellen sind für die Kommunen deshalb so interessant, weil die alten nicht mehr so leicht anzuzapfen sind. Es gibt schlicht weniger Kreditgeber als früher. „Gerade die Landesbanken stehen dafür nicht mehr so verlässlich zur Verfügung. Die alte WestLB gibt es nicht mehr. Die bayerische und die baden-württembergische Landesbank bedienen Kreditwünsche in ihren Regionen, aber kaum noch bundesweit. Wir müssen also flexibler werden“, sagte gestern ein Insider dieser Zeitung. Ziel sei die „Verbreiterung der Gläubigerstruktur“.

"Viel Liquidität am Markt"

Die beteiligten Kämmerer glauben, dass das neue Produkt für Anlieger interessant sein könnte. Es gebe derzeit „viel Liquidität im Markt“, aber nicht viele attraktive Anlagemöglichkeiten. Eine kommunale Anleihe biete dem Anleger eine große Sicherheit. Essen versprach sich 2010 von der Anleihe auch einen „Image-Gewinn“. Es komme gut an, wenn eine Kommune in Investorenkreisen als innovativ gelte.

Dass es sich bei den Erfindern der Anleihe um Schuldenkönige handelt, schreckt die Beteiligten nicht. „Wir brauchen Geld und besorgen es uns zu den üblichen Konditionen“, heißt es. Das neue Produkt komme die Städte vermutlich nicht wesentlich teurer als ein normaler Kredit. Das Geld diene vor allem dazu, vorhandene Kredite abzulösen.

Essen, Dortmund und weitere Städte wollen in diesem Jahr beginnen, ihre Schulden effektiv zu tilgen. Das Vorhaben ist ambitioniert. Immerhin drückt Essen eine Gesamt-Schuldenlast von 3,4 Milliarden Euro. Dortmund steht mit rund 2,2 Milliarden Euro in der Kreide