Staatsdiener sind häufiger krank

Foto: Hermann J. Knippertz/dapd
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Köln.. Der Krankenstand bei den Beschäftigten im öffentlichen Dienst hat einen neuen Höchststand erreicht. Arbeiter, Angestellte und Beamte im Bundesdienst fallen im Schnitt 16,3 Tage im Jahr aus – fast ein Drittel häufiger als gesetzlich Krankenversicherte in der Privatwirtschaft. Dies geht aus Zahlen der Bundesregierung hervor.

In der 274 000 Köpfe starken Bundesverwaltung fehlen nach der Statistik jeden Tag 17 800 Bedienstete wegen Krankheit – vor allem betroffen: Bundestag, Bundesfinanz- und -innenministerium. Ähnlich ist die Tendenz in den Ländern. In NRW-Großstädten sind 20 Prozent der Polizisten sechs Wochen oder länger im Jahr krank geschrieben.

„Der Krankenstand macht mir Sorge. Wir haben hier seit Jahren einen Anstieg“, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) gestern auf der Jahrestagung des Deutschen Beamtenbundes in Köln. Bei Frühverrentungen seien psychische Erkrankungen mit einem Anteil von 38 Prozent eine Hauptursache. Er rief Führungskräfte im öffentlichen Dienst auf, Verantwortung zu übernehmen und sich eingehender mit den Sorgen und Nöten der Be­schäftigten zu befassen.

Hoher Arbeitsdruck in der Verwaltung

Beamtenbund-Chef Peter Heesen wies auf den hohen Arbeitsdruck in der Staatsverwaltung hin. Er glaubt, dass die Entwicklung beim Krankenstand auch damit zu tun hat. Bei den Etatberatungen für 2011 hatte der Haushaltsausschuss des Bundestages – teilweise gegen den Widerstand de Maizières – durchgesetzt, dass weitere 10 000 Stellen in der Bundesverwaltung bis 2014 gestrichen werden müssen.

Für NRW versicherte In­nenminister Ralf Jäger (SPD), die Regierung plane keine weiteren Kürzungen im Landesdienst und werde sich in wichtigen Fragen bald mit den Ge­werkschaften einigen. So ist derzeit noch offen, ob auch für beamtete Lehrer und Polizisten in NRW die Altersgrenze auf 67 angehoben wird. Andere SPD-regierte Länder haben darauf verzichtet.

Der Beamtenbund setzte sich für die Tilgung der 1,7 Billionen Euro hohen Staatsschulden ein. Dazu solle unter anderem die Goldreserve der Bundesbank genutzt werden, aber auch der „Soli“, sagte Beamtenbund-Chef Heesen.

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