Staatsanwalt ermittelt wegen Doppel-Wahl gegen di Lorenzo

Giovanni di Lorenzo hat sich bei Günther Jauch freimütig dazu bekannt, zweimal bei der Europawahl abgestimmt zu haben - einmal in Italien, einmal in Deutschland.
Giovanni di Lorenzo hat sich bei Günther Jauch freimütig dazu bekannt, zweimal bei der Europawahl abgestimmt zu haben - einmal in Italien, einmal in Deutschland.
Foto: Imago
Jeder Europäer darf bei der Europawahl nur einmal abstimmen. Wer mehrfach wählt, begeht eine Straftat. Das freimütige Bekenntnis von "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo, genau das getan zu haben, hat jetzt womöglich Konsequenzen. Einem Bericht zufolge ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Berlin. Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt gegen den Chefredakteur der Wochenzeitung "Die Zeit", Giovanni di Lorenzo, wegen des Verdachts der Wahlfälschung. "Es gibt eine Strafanzeige gegen Herrn di Lorenzo, und wir haben ein Verfahren eingeleitet", sagte eine Sprecherin der Behörde der "Welt".

Di Lorenzo hatte am Sonntag in der ARD-Sendung "Günther Jauch" zugegeben, dass er bei der Europawahl zweimal gewählt hat: "Einmal gestern im italienischen Konsulat und einmal heute in einer Hamburger Grundschule", verriet er dort freimütig. Di Lorenzo hat einen deutschen und einen italienischen Pass. Dennoch dürfte er nach dem Europawahlgesetz nur einmal die Stimme abgeben.

Die Funke-Mediengruppe berichtete vor der Europawahl darüber, dass es viele Fälle von Wahlbetrug geben könnte. Im Wahlgesetz steht: Jeder darf nur einmal abstimmen. Wer zweimal wählt, riskiert bis zu fünf Jahre Gefängnis.

Wenig Verständnis von Wolfgang Schäuble

Bei Wolfgang Schäuble (CDU), der früher als Innenminister auch für die Verfassung zuständig war, stieß di Lorenzo auf wenig Verständnis. "Ich gönne es Ihnen ja, ich freue mich ja, dass sie so eifrig sind", sagte der heutige Bundesfinanzminister. Aber es könne nicht sein, dass manche Bürger zweimal wählen. "Ins Gefängnis müssen sie deshalb nicht", schränkte Schäuble ein. Welche Folgen die Doppel-Wahl hat, muss nun allerdings die Justiz entscheiden.

Ex-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück (SPD) liebäugelte gar mit noch mehr Stimmen. "Ich möchte demnächst vier Pässe haben." Di Lorenzo gelobte Besserung: "Ich lasse nächstes Mal eine Wahl weg, Herr Schäuble." (dpa/we)