SPD-Spitze schmäht ihre Laizisten

Auch Ingrid Matthäus-Maier gehört zu den Laizisten innerhalt der SPD. Foto: dapd
Auch Ingrid Matthäus-Maier gehört zu den Laizisten innerhalt der SPD. Foto: dapd
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Essen/Berlin. Welche Religion und wie viel davon vertragen Staat und Gesellschaft? Seitdem Bundespräsident Christian Wulff den Islam zwar nicht als Wurzel, doch als Teil von Deutschland bezeichnet hat, bewegt diese Frage die Gemüter in den Parteien.

Nun hat sich innerhalb der SPD eine Gruppe von etwa 50 Laizisten gefunden, also von Parteimitgliedern, die eine vollständige Trennung von Staat und Kirche wünschen – und das ist gar nicht im Sinne des Parteivorstandes. Am Dienstag musste sich die Gruppe der Parteispitze beugen und ihre Homepage mit dem Namen www.spd-laizisten.de abschalten.

Die Gruppe dürfe das SPD-Logo nicht verwenden, erklärte eine Parteisprecherin der WAZ: „Die Parteispitze macht sich die Ziele einer Gruppe, die ausschließlich auf eine grundsätzliche Veränderung des Verhältnisses zwischen Staat und Religionsgemeinschaften hin zu einer strikten Trennung gerichtet sind, ausdrücklich nicht zu eigen“, sagte sie. Die SPD stehe schließlich zum kooperativen Verhältnis zwischen Kirchen und Religionsgemeinschaften. Dies sehe das Grundgesetz so vor, dies bejahe die SPD in ihren Grundsatzprogrammen, dies habe sich obendrein in der Praxis „im vertrauensvollen Miteinander zwischen SPD und Kirchen bewährt“.

Parteichef Sigmar Gabriel hatte zuvor erklärt, es handele sich um einen rein privaten Zusammenschluss. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) begründete die Haltung seiner Partei mit den 73 Prozent der Parteimitglieder, die sich zu einer christlichen Religionsgemeinschaft bekennen.

Grüne wollen gleichberechtigten Islam

Der Gruppe mit den prominenten Mitgliedern Ingrid Matthäus-Maier und Rolf Schwanitz bleibt nichts anderes übrig, als das Logo „SPD“ aus dem Namen zu streichen. Sprecher Nils Opitz-Leifheit sagte der Berliner Zeitung, die Gruppe werde sich künftig „Soziale und Demokratische Laizistinnen und Laizisten“ nennen. Die ablehnende Haltung könne er nicht verstehen. Schließlich gebe es in der SPD anerkannte Arbeitskreise für Juden und Christen.

Auch bei den Grünen ist die Stellung der Religion innerhalb des Staates zu einem wichtigen Thema geworden. So wollen die bayerischen Grünen beim Landesparteitag in Würzburg am kommenden Wochenende die Stellung aller Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften diskutieren. In einem Papier fordern sie die Gleichstellung des Islam mit den christlichen Kirchen. Für die FDP forderte Generalsekretär Christian Lindner bereits am Montag mehr staatliche Neutralität gegenüber den Religionen.

 
 

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