SPD-Nachwuchs blamiert sich mit Sponsoren: „Heuchelei“, „Doppelmoral“, „Bettvorleger“

Foto: Kay Nietfeld/dpa

Am vergangenen Wochenende gab es gleich mehrere Parteitage. Während sich die AfD zu einem Bundesparteitag vor Ort in Kalkar (NRW) zusammenfand, hielten Junge Union und Jusos digitale Parteitage ab. Der SPD-Nachwuchs strahlte ihn aus der Parteizentrale, dem Willy-Brandt-Haus in Berlin, aus.

Zur Finanzierung der Veranstaltung des SPD-Nachwuchses gab es mehrere Sponsoren. Das sorgt nun für ein Nachspiel.

SPD-Nachwuchs: Peinliche Sponsoren – „Die Heuchelei der Jusos in einem Bild“

Die Jungsozialisten, kurz Jusos, stehen ideologisch weiter links als die Mutterpartei SPD. Während die Sozialdemokratie mit der Sozialen Marktwirtschaft ihren Frieden gemacht hat und der „demokratische Sozialismus“ als Ziel nur noch aus Tradition im Grundsatzprogramm steht, halten die Jusos an der Systemfrage fest. Sie wollen den Kapitalismus überwinden und eine sozialistische Gesellschaftsordnung erreichen.

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Fragwürdig erscheint es da allerdings, dass die Jusos ihren Bundeskongress 2020 dann ausgerechnet von multinationalen Unternehmen sponsern ließen, die aus Sicht linker Kritiker für einen globalisierten Raubtierkapitalismus stehen, wie zum Beispiel Fast-Food-Riese McDonald's. Zudem vom Milliardenkonzern Microsoft oder auch den Börsen-Profis von Union Investment.

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Das sind die Jusos:

  • Die Arbeitsgemeinschaft der Jungsozialistinnen und Jungsozialisten in der SPD werden kurz Jusos genannt.
  • Es ist die Jugendorganisation der SPD.
  • Jedes SPD-Mitglied bis zum 35. Lebensjahr ist auch Juso-Mitglied.
  • Die Jusos verstehen sich als "sozialistischer, feministischer und internationalistischer Richtungsverband" innerhalb der SPD.
  • Es gibt rund 80.000 Mitglieder.
  • Kevin Kühnert ist noch Juso-Vorsitzender, seine Nachfolgerin soll Jessica Rosenthal werden.

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Für den stellvertretenden CSU-Generalsekretär Florian Hahn ist das eine „Heuchelei der Jusos". Der Berliner CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Jan-Marco Luczak wirft der SPD-Jugend „Doppelmoral“ vor. Andere Twitter-Nutzer kritisieren, dass die Jusos ihre eigenen Prinzipien ignorieren, wenn es ums Geld gehe.

Linken-Abgeordneter attackiert die Jusos: „Bettvorleger“

Linken-Bundestagsabgeordneter Niema Movassat äußert seine Kritik deftig: „Wenn du dich als selbsternannter 'Jungsozialist' durch Microsoft, Union Investment und McDonald's sponsoren lässt, dann sieht dich das Kapital offensichtlich nur als Bettvorleger“.

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Manche verteidigen die Jusos aber auch. Die Kritik sei überzogen. Zum einen würde andere Parteitagen von weitaus mehr Sponsoren finanziert, zum anderen würden die Unternehmen eben keinen Einfluss auf die Inhalte des Jugendverbandes nehmen. Die Jusos seien nicht käuflich.

Das sagt die SPD zur Zusammenarbeit mit Sponsoren

Der SPD-Parteivorstand hat Richtlinien herausgegeben, was bei der Zusammenarbeit mit Sponsoren und Ausstellern zu beachten ist. Zuerst stellt der Parteivorstand darin klar: „Sponsoring ist eine zulässige Form der Parteienfinanzierung. Vor dem Hintergrund sinkender Einnahmen und steigender Ausgaben ist Sponsoring für uns unerlässlich.“

Jedoch gibt es einige Voraussetzungen für SPD-Sponsoren. Diese sollten nicht im Widerspruch zum sozialdemokratischen Programm stehen und unter anderem Arbeitnehmervertretungen zulassen, nicht auf Kinderarbeit setzen und zumindest den Mindestlohn zahlen.

 
 

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