SPD erntet Gegenwind für neue Debatte um das Turbo-Abi

Tobias Blasius
Peter Silbernagel vom Philologenverband ärgert sich über die erneute Debatte um das "Turbo-Abi".
Peter Silbernagel vom Philologenverband ärgert sich über die erneute Debatte um das "Turbo-Abi".
Foto: Philologen-Verband NW
Wirtschaft, Lehrer und Opposition kritisieren den Vorstoß. Peter Silbernagel vom Philologenverband warf den Sozialdemokraten „politische Feigheit“ vor.

Düsseldorf. Die überraschende Suche der SPD-Landtagsfraktion nach Alternativen zum umstrittenen „Turbo-Abitur“ hat heftige Reaktionen hervorgerufen. Der Chef des Philologenverbandes, Peter Silbernagel, warf den Sozialdemokraten „politische Feigheit“ vor. Er hätte von der größten Regierungsfraktion mehr Verlässlichkeit erwartet: „Man kann nicht mühsam mit allen Verbänden Entlastungen für das achtjährige Gymnasium erarbeiten und dann einen Tag vor Schuljahresbeginn öffentliche Debatten über einen Plan B führen“, ärgerte sich Silbernagel.

“Spiel um G8 längst abgepfiffen“

Auch die Landesvereinigung der Unternehmensverbände kritisierte die Debatte als „völlig unnötig und kontraproduktiv“. Luitwin Mallmann, Hauptgeschäftsführer von Unternehmer NRW, spottete: „Das Spiel um G8 ist längst abgepfiffen, Befürworter und die meisten Gegner sind längst in der Umkleidekabine, nur einige Unbelehrbare schießen immer noch auf das Tor.“

SPD-Fraktionsvize Eva-Maria Voigt-Küppers hatte öffentlich gemacht, dass ihre Partei bei einer Bildungsklausur Ende August bereits über Alternativen zum „Turbo-Abitur“ diskutiere. Man müsse vorbereitet sein, „wenn G8 scheitern sollte“, hatte Voigt-Küppers gesagt. Der grüne Koalitionspartner wurde von dem Vorstoß offenbar völlig überrascht: „Wir müssen dafür sorgen, dass die Schüler an den Gymnasien wie verabredet entlastet werden. Eine Debatte über G8 oder G9 hilft ihnen dagegen nicht“, stellte Grünen-Schulexpertin Sigrid Beer klar. SPD-Fraktionschef Norbert Römer bemühte sich um Schadensbegrenzung. „Es gibt in der SPD-Landtagsfraktion weder Pläne noch Beschlüsse, das Abitur nach acht Jahren an Gymnasien in Frage zu stellen oder gar abzuschaffen“, erklärte Römer – und stellte damit seine Stellvertreterin Voigt-Küppers bloß.

Kritik an der Bildungspolitik

CDU-Oppositionsführer Armin Laschet kritisierte die Verwirrung bei Rot-Grün: „Ausgerechnet zum Schulbeginn gehen die Regierungsfraktionen unabgestimmt mit diesem sensiblen Thema um.“ Er nutzte die Gelegenheit zur Abrechnung mit der rot-grünen Bildungspolitik: „Die beschlossenen Maßnahmen zu G8 werden nicht flächendeckend umgesetzt, die Inklusionspolitik wird mit der Brechstange betrieben, der Unterrichtsausfall wird weder gemessen noch bekämpft und das Krisenmanagement bei den Flüchtlingskindern ist katastrophal.“