SPD-Basis rückt in NRW vom Turbo-Abitur ab

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Ein Jahr vor der Landtagswahl in NRW flammt in der SPD wieder die Debatte über das G8-Abitur auf. Mehrere SPD-Unterbezirke plädieren für Reform.

Düsseldorf.. Auch in der NRW-SPD wird der Ruf nach einer Kurskorrektur beim „Turbo-Abitur“ lauter. Der Unterbezirk Köln, eine der mitgliederstärksten Gliederungen, will nach Informationen dieser Zeitung beim Landesparteitag am 24. September in Bochum erstmals offiziell einen konkreten Umbau des achtjährigen Gymnasiums (G8) fordern.

In einem Parteitagsantrag der Kölner SPD heißt es, die Sekundarstufe I an Gymnasien solle auf sechs Jahre erweitert und die Sekundarstufe II zwischen zwei und vier Jahren flexibilisiert werden. Damit sollen jüngere Schüler ein Jahr mehr Zeit bekommen, je nach Leistungsstand aber durch eine verkürzte Oberstufe dennoch ein G8-Abitur absolvieren können. Wer mehr Zeit braucht, soll die Reifeprüfung wieder nach neun Jahren ablegen können. Bei Auslandsaufenthalten oder Praktika soll sogar G10 möglich werden.

Kraft will nicht schon wieder Strukturdebatte um Abitur führen

„Die Verdichtung der Unterrichtsinhalte in der Sekundarstufe I war der Kardinalfehler der Schulzeitverkürzung. Hier müssen wir ansetzen, um ein altersgemäßes und flexibles Modell zu entwickeln“, sagte der Kölner Landtagsabgeordnete Martin Börschel der WAZ. Die Kölner SPD hatte bereits 2014 einen Plan zur Verbesserung der Schulzeitverkürzung beschlossen und begründet ihren Antrag nun damit, dass die in der Zwischenzeit erfolgten Maßnahmen „nicht die erwarteten Entlastungen“ gebracht hätten.

Auch andere SPD-Unterbezirke wollen offenbar den bisherigen Kurs bei der Schulzeitverkürzung auf dem Parteitag in Frage stellen. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hatte erst vergangene Woche erneut Reformen abgelehnt und auf die Verbesserungsvorschläge eines „Runden Tisches“ von Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) verwiesen: „Wir sollten die Wirkung der Maßnahmen abwarten und nicht schon wieder neue Strukturdebatten führen.“ Ende 2014 hatten sich Eltern- und Lehrerverbände mit den Landtagsfraktionen noch gegen eine G9-Rückkehr ausgesprochen, stattdessen Erleichterungen bei Hausaufgaben, Klassenarbeiten und Nachmittagsunterricht beschlossen.

Löhrmann kündigte jüngst an, den „Runden Tisch“ im Herbst erneut zusammenzurufen. Inzwischen wirbt die FDP für ein G8/G9-Wahlmodell, und die Landeselternschaft der Gymnasien will zurück zu G9. Löhrmann selbst legt sich weiterhin nicht fest: „Ich arbeite nach dem größtmöglichen Konsensprinzip.“

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