Andrea Nahles: Erste öffentlicher Auftritt – bei diesem Thema wird sie sauer

Ex-SPD-Chefin Andrea Nahles: Erster öffentlicher Auftritt in der Abtei Maria Laach in Glees.
Ex-SPD-Chefin Andrea Nahles: Erster öffentlicher Auftritt in der Abtei Maria Laach in Glees.
Foto: dpa

Zwei Monate lang war sie aus der Welt. Anfang Juni hatte sich Andrea Nahles mit dem schlichten Satz „Machen Sie es gut“ aus Berlin verabschiedet. Nach dem katastrophalen Abschneiden der SPD bei der Europawahl und enormem parteiinternem Druck war Andrea Nahles als Partei- und Fraktionsvorsitzende zurückgetreten.

Danach hörte man nichts mehr von Andrea Nahles.

SPD: Andrea Nahles erstmals wieder in der Öffentlichkeit

Am Montagabend dann kehrte Andrea Nahles dann zum ersten Mal wieder in die Öffentlichkeit zurück - an einem Ort, der kaum weiter entfernt vom politischen Berlin sein könnte.

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In der Benediktinerabtei Maria Laach in der Eifel sprach Andrea Nahles über das Thema Gleichberechtigung. Ein Heimspiel gewissermaßen. Denn die Abtei liegt nur etwa 15 Kilometer von ihrem Wohnort im Eifeldorf Weiler entfernt.

Andrea Nahles wird überraschend eindeutig

Erst gegen Ende der Veranstaltung wird sie gefragt, ob sie für ihre Ziele künftig auch im Bundestag kämpfen werde. Denn noch ist die einstige SPD-Vorsitzende Bundestagsabgeordnete. Mit klaren Aussagen darüber, ob und wann sie ihr Mandat aufgeben will, hatte sich Nahles bislang zurückgehalten. Konkreter wird sie zunächst auch am Montag nicht.

Dann wird Andrea Nahles plötzlich doch überraschend eindeutig.: „Man muss auch manchmal wissen, wenn man etwas Neues anfangen muss.“ Das klingt sehr stark nach Rückzug - der Abend in Maria Laach wirkt für manche Beobachter nach diesem Satz wie der Auftakt einer Abschiedstournee.

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Beim Kernthema des Abends wird Andrea Nahles dann emotional. Gleichberechtigung in der SPD? Da gibt es offenbar noch Defizite. „Ich bin in die Vorstände und Präsidien gekommen, aber die Macht war ein flüchtiges Reh“, erinnert sich Nahles an die eigene SPD-Karriere.

SPD: „Die Jungs haben sich vor dem Präsidium getroffen“

Die Frau, die der damalige SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine ein „Gottesgeschenk an die SPD“ genannt hatte, sagte über den Grund für mangelnde Macht von Frauen in wichtigen Gremien: „Die Jungs haben sich vor und nach dem Präsidium getroffen.“ Sie habe nie den Eindruck gehabt, dass es in der Politik echte Gleichberechtigung gebe.

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Und dann fügt sie vor rund 300 Zuhörern über ihre Zeit als SPD-Vorsitzende noch hinzu: „Als ich dann an der Spitze war, da gab es nicht so viele Zirkel, wo ich nicht dabei war. Aber doch zu viel.“

In Sachen Gleichberechtigung sei noch viel zu tun, das war Nahles' Botschaft. Es gebe „einen Rollback, es geht wieder rückwärts“, befand sie. Der Frauenanteil im Bundestag sei von 36 Prozent in der vergangenen Legislaturperiode auf nun 30 Prozent gesunken. Noch schlimmer sehe es in den Chefetagen der großen Unternehmen aus. Und: „Mir scheinen auch die materiellen Voraussetzungen für Gleichberechtigung noch nicht da zu sein.“

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Andrea Nahles: „Dafür werde ich mich einsetzen“

2009 hatte sie eine Art politischer Autobiografie unter dem Titel „Frau, gläubig, links“ geschrieben. Beispielsweise gehörte der Satz „Man kann nicht durch das beste politische Programm die letzten Menschheitsfragen klären“ zu ihrem politischen Credo. Die Religion trieb sie auch an diesem Abend im Kloster um.

Wie es mit den Frauen und der Gleichberechtigung in der katholischen Kirche sei, wurde sie gefragt. Nein, sie fordere keine weiblichen Priester, versicherte sie. Aber: „Das Diakonat für Frauen ist erreichbar zu meinen Lebzeiten. Und dafür werde ich mich einsetzen.“ (pen/dpa)

 
 

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