Sozialticket des VRR ist ein Flop - Abschaffung gefordert

Mareike Fangmann und Matthias Korfmann
Das Sozialticket ist deutlich weniger gefragt als erwartet.
Das Sozialticket ist deutlich weniger gefragt als erwartet.
Foto: Peggy Mendel/WAZ FotoPool
Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr hatte mit einer großen Nachfrage gerechnet. Doch nur sechs bis acht Prozent der 1,4 Millionen potentiellen Nutzer kaufen „Mein Ticket“. Immerhin: Das Land bezuschusst es mit 30 Millionen Euro pro Jahr. Jetzt werden Stimmen laut, das Billig-Billet abzuschaffen.

Essen. Das Sozialticket soll arme Bürger mit Bus und Bahn mobil machen. Doch gut zwei Jahre nach seiner Einführung ist die Nachfrage nach dem Fahrschein viel geringer als erwartet. Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) rechnet vor: „Es gibt 1,14 Millionen potenzielle Nutzer im VRR-Gebiet. Wir sind davon ausgegangen, dass 12 bis 17 Prozent das Sozialticket kaufen. Im Moment liegen wir bei der Hälfte“, sagte VRR-Sprecher Johannes Bachteler. Zurzeit sind das monatlich im Schnitt 90 000 verkaufte Tickets.

Große Verkehrsbetriebe im Ruhrgebiet bestätigen, dass der Fahrschein ein Flop ist. So nutzten in Duisburg im Februar 2014 rund 7600 Bürger das Sozialticket. Das sind 3000 mehr als zum Start des Angebots im November 2011. „Aber eigentlich war der VRR in Duisburg von 14 000 Nutzern ausgegangen“, sagt Thomas Nordiek von der Duisburger Verkehrsgesellschaft.

Das Land bezuschusst das Sozialticket mit 30 Millionen Euro

Auch bei der Essener Evag heißt es: „Ein Renner ist das Sozialticket nicht.“ Die Dortmunder Stadtwerke DSW 21 verkauften im Februar 2014 insgesamt 12 251 Sozialtickets. Bis Ende 2010 gab es in Dortmund ein anderes, mit 15 Euro viel billigeres Ticket. Damals war die Nachfrage mit rund 23 000 verkauften Sozial-Fahrscheinen doppelt so hoch. Nur die Bogestra (Bochum, Gelsenkirchen, Herne, Witten) meldet eine gute Nachfrage: Rund 110 000 Sozialtickets wurden im ganzen Jahr 2013 verkauft – 20 000 mehr als erwartet.

Im Ruhrgebiet heißt der Fahrschein „Mein Ticket“ und wird für 29,90 Euro pro Monat verkauft. Fahrten in angrenzende Städte kosten Aufpreis. Das Land NRW bezuschusst das Angebot mit 30 Millionen Euro im Jahr.

Ist das Sozialticket zu teuer?

Angesichts der geringen Nachfrage fordern Landespolitiker eine Analyse des Problems. Reiner Breuer (SPD) sieht wie die Piraten ein Problem im hohen Ticketpreis: „Sozialhilfeempfänger bekommen im Monat nur 20 Euro für die Nahverkehrs-Nutzung. Dafür kann man kein vollwertiges Ticket erwerben. Sozialpolitisch wichtig wäre es, die Regelsätze für Mobilität auf ein realistisches Niveau zu bringen.“

Die Piraten kritisieren zudem, dass etwa die Hälfte der Berechtigten in Orten lebten, in denen es das Ticket nicht gebe. Die Grünen halten eine Bewertung für zu früh. Ralf Witzel (FDP) spricht von einer „Fehlkonstruktion“. Das Sozialticket gehöre abgeschafft.