Sorge wegen wachsender Terrorgefahr

Essen/Berlin..  Die Schüsse im kanadischen Parlament hallen in Deutschland nach. „Wir werden uns nicht von Terroristen einschüchtern lassen“, sagte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU). Die Bundesregierung geht von einer „hohen Gefährdung“ aus, die seit einiger Zeit wächst. Sie sei derzeit aber nicht konkret. Die Sicherheitsbehörden schließen islamistische Anschläge vor allem durch Einzeltäter nicht aus. „Wir müssen einfach sehr, sehr wachsam sein“, warnt Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen.

Der Hintergrund: „Weit mehr als 400 Personen“ sind laut Verfassungsschutz aus Deutschland nach Syrien zu den Kämpfern des „Islamischen Staates“ (IS) ausgereist. 130 von ihnen sind wieder zurückgekehrt. „Mindestens 25 haben Kampferfahrung“. Sie gelten als potenzielle Attentäter.

Lebensschwerpunkt der verdächtigen Extremisten in Deutschland ist neben Hamburg, Berlin, Frankfurt und Stuttgart der Rhein-Ruhr-Raum, heißt es in einer Analyse der Bundesregierung. So hat die Bundesanwaltschaft in den letzten Tagen mehrere Beschuldigte aus Bonn und Aachen festnehmen lassen, die Nachschub für die Kämpfer im nahen Osten besorgt haben und denen die Zugehörigkeit zu einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen wird.

Unter den nach Syrien oder Irak ausgereisten Islamisten sind nicht wenige „normale“ Kriminelle. Eine Bewertung der Lebensläufe von 378 Personen, die demnächst der Innenministerkonferenz vorgelegt werden soll, ergibt, dass 117 von ihnen in Deutschland polizeibekannt und vor ihrer Radikalisierung vor allem durch Drogenhandel, Gewalttaten oder Eigentumsdelikte aufgefallen sind.

Auch scheint die Radikalisierung weniger mit extremen islamistischen Religionsüberzeugungen zu tun zu haben als das bei früheren Terroristen-Generationen der Fall war. 30 Prozent werden über „Freunde“ geworben – deutlich mehr als durch Prediger in Moscheen. Immer öfter fühlen sich deutsche Konvertiten durch die islamistische Propaganda angelockt: 42 Männer und 12 Frauen sind den Behörden bekannt, die in den „Heiligen Krieg“ gezogen sind. Zudem steigt der weibliche Anteil insgesamt: Rund 40 der 378 untersuchten Ausgereisten sind Frauen.

Beim Attentat in Ottawa, bei dem ein IS-Hintergrund vermutet wird, waren ein Soldat und der Attentäter getötet worden.

 

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