Sorge um Stahlindustrie: NRW plant Gipfeltreffen

Die Landesregierung sorgt sich um die Stahlindustrie in NRW.
Die Landesregierung sorgt sich um die Stahlindustrie in NRW.
Foto: picture alliance / dpa
NRW-Wirtschaftsminister Duin sorgt sich um die Stahl-Industrie. Hintergrund sind europäische Pläne zum Handel mit Kohlendioxid-Zertifikaten.

Düsseldorf. Aus Sorge um die Stahlindustrie an Rhein und Ruhr hat die NRW-Landesregierung kurzfristig ein Gipfeltreffen anberaumt. Hintergrund sind europäische Pläne zum Handel mit Kohlendioxid-Zertifikaten. „Die Vorschläge der Europäischen Kommission zur künftigen Ausgestaltung des EU-Emissionsrechtehandels habe ich mit Sorgen zur Kenntnis genommen“, sagte NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) unserer. Der Stahlgipfel soll bereits am kommenden Montag in Düsseldorf stattfinden.

Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, schlägt mit Blick auf die EU-Pläne Alarm. „Die von der EU-Kommission geplante Verschärfung des EU-Emissionshandels ist für die Stahlindustrie existenzgefährdend“, sagte er der WAZ.

Duisburg ist Europas Stahlstandort

Die vorgesehene weitere Kürzung der Emissionsrechte ab dem Jahr 2021 und die drohenden Strompreissteigerungen führen nach Berechnungen des Verbands für die Stahlindustrie in Deutschland zu Zusatzkosten von jährlich rund einer Milliarde Euro bis zum Jahr 2030. „Wir fühlen uns von der europäischen Politik schmählich im Stich gelassen“, hatte unlängst auch Günter Back, Betriebsratschef der Thyssen-Krupp-Stahlsparte, geklagt. Auch Arbeitnehmervertreter der Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) zeigten sich besorgt.

Das Ruhrgebiet wäre von den Plänen aus Brüssel besonders stark betroffen. Duisburg ist Europas größter Stahlstandort. Bundesweit zählt die Stahlindustrie rund 87 000 Arbeitsplätze, 47 600 davon in NRW. Laut einer Studie des Essener Instituts RWI hängen sogar 3,5 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland direkt oder indirekt vom Stahl ab.

Duin will Unternehmenschefs zum Gipfel holen

„Die erforderlichen Anstrengungen zur weiteren Reduzierung der CO2-Emissionen müssen sowohl technisch als auch wirtschaftlich darstellbar sein und dürfen keinesfalls zu Verzerrungen im internationalen Wettbewerb für die betroffenen Unternehmen führen“, mahnte Wirtschaftsminister Duin. Die Stahlindustrie sei als einer der zentralen Werkstofflieferanten am Wirtschaftsstandort NRW auch für viele weitere Unternehmen von großer Bedeutung.

Duin will beim Stahlgipfel nun Unternehmenschefs und Arbeitnehmervertreter an einen Tisch holen. Eingeladen sind unter anderem Stahl-Präsident Kerkhoff, der NRW-Chef der IG Metall, Knut Giesler, Thyssen-Krupp-Stahlchef Andreas Goss und Arcelor-Mittal-Deutschlandchef Frank Schulz.

 
 

EURE FAVORITEN