So verschieden reagieren Leipzig und Dresden auf Pegida

Zehntausende Leipziger stellen sich 4800 Legida-Anhängern entgegen. Dresden dagegen entwickelt sich zur Hauptstadt der  Pegida-Bewegung.
Zehntausende Leipziger stellen sich 4800 Legida-Anhängern entgegen. Dresden dagegen entwickelt sich zur Hauptstadt der Pegida-Bewegung.
Foto: imago/Stefan Noebel-Heise
Zwei Städte, zwei Welten: In weltoffenen Leipzig sind die Pegida-Gegner in der Überzahl, im konservativen Dresden ist es umgekehrt.

Dresden/Leipzig.. Weltoffenes Leipzig – gespaltenes Dresden? 30 000 Menschen sind am Montagabend in Leipzig gegen rund 4800 Anhänger des Pegida-Ablegers „Legida“ auf die Straße gegangen. In Dresden dagegen ist die ausländerfeindliche Bewegung auf 25 000 Anhänger angewachsen. Erst nach Wochen hatten sich Stadtspitze und Sachsens Landesregierung am Samstag zu einer Großkundgebung mit Zehntausenden Teilnehmern aufgerafft. Zwei Städte, zwei Welten?

Die Unterschiede zwischen Dresden und Leipzig sind unübersehbar. „Dresden als Residenzstadt war immer schon konservativer und kleinbürgerlicher als die Handelsstadt Leipzig“, sagt Wolfgang Donsbach, Kommunikationswissenschaftler an der TU Dresden. Während die alte Messestadt ihre Weltoffenheit pflegte, war sich das schöne, kunstsinnige Dresden in seinem abgeschiedenen Elbtal eher selbst genug.

Gemütlich, provinziell, obrigkeitsgläubig – das sind Etiketten, die an Dresden kleben. „Dresden ist die deutsche Großstadt mit dem höchsten Tellerrand“, sagt Thomas Platz von der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung. Wer darüber hinweg gucken wollte, hatte es zu DDR-Zeiten nicht leicht: Die Dresdner konnten kein Westfernsehen empfangen, nur Westradio erreichte das „Tal der Ahnungslosen“. Doch erklärt das schon Pegida? „Ich laufe doch nicht bei Pegida mit, nur weil ich früher kein Westfernsehen hatte“, sagen sie hier trotzig.

Dresden ist die deutsche Großstadt mit dem höchsten Tellerrand

Bei den Kommunalwahlen im letzten Jahr haben die Dresdner nicht stärker rechts gewählt als die Leipziger. Donsbach erinnert daran, dass viele der Pegida-Demonstranten gar keine Dresdner seien, sondern montags aus ganz Sachsen und Deutschland anreisten. Hinzu kommt: Dresden gilt nach den Neonazi-Aufmärschen an den Jahrestagen der Zerstörung der Stadt am 13. Februar 1945 als beliebtes „Aufmarschgebiet“ der Rechten. Die Stadt hat wider Willen einen Ruf in der Szene - schon lange vor Pegida.

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