So teuer wird Bus- und Bahnfahren im Revier ab 2016

Viele Kunden müssen bald mehr für ihr Ticket zahlen. Archiv-Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services
Viele Kunden müssen bald mehr für ihr Ticket zahlen. Archiv-Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services
Bus- und Bahnfahren im Ruhrgebiet wird ab dem kommenden Jahr wieder teurer. Die Preise steigen im Schnitt um 2,9 Prozent.

Essen.. Zum 1. Januar 2016 erhöht der Verkehrsverbund Rhein Ruhr (VRR) die Ticketpreise um durchschnittlich 2,9 Prozent. Das beschloss der VRR-Verwaltungsgrat am Freitag in Gelsenkirchen.

  • Während das Einzelticket in der Preisstufe A ab 2016 unverändert bei 2,60 Euro bleibt, steigen die Preise vor allem auf längeren Strecken und bei den Zeitkarten.
  • Das Einzelticket (Erwachsene) in der Preisstufe B wird um 20 Cent teurer und kostet ab Januar 5,70 Euro.
  • Teurer wird auch das Sozialticket. Der Preis klettert um 1,05 Euro auf 31,95 Euro.
  • Auch die Sonder-Abos für junge Leute, Senioren und Schüler werden teurer.
  • Neu im Angebot ist das sogenannte Vorkurs-Ticket für angehende Studenten.
  • Beschlossen wurde auch, ab 2016 die Preistufe E mit der allerdings deutlich angehobenen Stufe D zu verschmelzen. Das kommt speziell den VRR-Kunden am Niederrhein zugute.

Der Anstieg fällt etwas moderater aus als in den letzten beiden Preisrunden 2014 und 2015, als der Verkehrsverbund – ebenfalls jeweils zum 1. Januar – die Tarife um 3,3 beziehungsweise 3,8 Prozent anhob. Dennoch steigen die VRR-Tarife schneller als die allgemeinen Lebenshaltungskosten. Vor allem im Vergleich zu Autofahrern müssen Nahverkehrskunden immer tiefer in die Tasche greifen. Während Fahrkarten im öffentlichen Personenverkehr im Mai 2015 um knapp 50 Prozent teurer waren als vor zehn Jahren, erhöhte sich der so genannte Kraftfahrzeugindex, der Kostenmix aus Fahrzeuganschaffung und -unterhaltung, im selben Zeitraum nur um rund 17 Prozent. Diese Zahlen veröffentliche das Landesamt für Statistik am Freitag.

Nahverkehr gerät ins Hintertreffen

Bei den Kosten für Mobilität gerät der öffentliche Nahverkehr gegenüber dem Autofahren mehr und mehr ins Hintertreffen. Nach 2013, 2014 und 2015 fällt die vierte, wie üblich im Jahresrhythmus greifende Tariferhöhung in Folge zwar vergleichsweise moderat aus. Bei den vergangenen Preisrunden kletterten die Ticketpreise deutlich stärker, nämlich um 3,9 Prozent, 3,3 Prozent und 3,8 Prozent. Doch angesichts einer kaum messbaren Inflation und niedrigen Spritpreisen, gerät der ÖPNV unter Druck.

„Der VRR und die Verkehrsunternehmen stehen vor der Herausforderung, trotz steigender Kosten für die Infrastruktur und geringerer Zuschüsse von Bund und Land, auch in Zukunft einen attraktiven, leistungsstarken Nahverkehr anzubieten“, umschrieb VRR-Vorstand José Luis Castrillo gestern die Situation. Anders ausgedrückt: Gibt es nicht bald eine Lösung für die im Sanierungsstau steckenden ÖPNV-Betreiber, könnten dem Nahverkehr demnächst neben Kosten auch bald die Kunden davonlaufen.

Die gestern kurz vor dem VRR-Beschluss veröffentlichten Landeszahlen zur Kostenentwicklung im Mobilitätssektor sprechen eine deutliche Sprache: Trotz der seit Februar 2015 wieder anziehenden Preise für Benzin und Diesel (plus 1,6 Prozent im Mai gegenüber April) sind die Kraftstoffpreise in Nordrhein-Westfalen im Vorjahresvergleich bereits seit 27 Monaten rückläufig. Heißt: Seit Februar 2013 ist Tanken um 2,1 Prozent billiger geworden. Für Bus- und Bahnfahrkarten mussten die Kunden im gleichen Zeitraum dagegen Preiserhöhungen von durchschnittlich 5,8 Prozent in Kauf nehmen.

Vorkurs-Ticket für Erstsemester

Auch die langfristige Entwicklung sieht laut Landesstatistik die Autofahrer im Vorteil: Während Fahrkarten im öffentlichen Personenverkehr im Mai 2015 48,4 Prozent teurer waren als im Mai 2005, erhöhten sich die Preise für die Anschaffungs- und Unterhaltskosten für ein Auto nur um 17,2 Prozent. Im Jahresdurchschnitt lag dieser sogenannte Kraftfahrerpreisindex – vor allem aufgrund der gesunkenen Kraftstoffpreise – bereits im dritten Jahr in Folge hinter den vergleichbaren Vorjahreswerten.

Nicht jeden VRR-Kunden trifft die ab Januar geltende Tarifsteigerung. Wer nur mit Einzelticket im Stadtgebiet fährt, merkt nichts. Der Einzelfahrschein in der Preisstufe A bleibt unverändert bei 2,60 Euro, auch das Kinderticket bleibt bei 1,60 Euro. Auf längeren Strecken und bei den Zeitkarten steigen die Preise hingegen spürbar. Gelegenheitsfahrer, die mit einem Einzelticket beispielsweise von Hagen nach Essen fahren wollen, müssen ab Januar 11,80 Euro und damit 30 Cent mehr berappen.

Teurer wird auch das Schoko-Ticket für selbstzahlende Schüler. Es kostet ab Januar 34,65 statt 33,35 Euro. Günstiger wird es für VRR-Nutzer am Niederrhein, weil die dort geltende teuerste Preisstufe E durch die Stufe D ersetzt wird. Mit dem neuen Vorkurs-Ticket (54,65 Euro für 30 Tage) bietet der VRR angehenden Studenten ab 1. August 2015 die Möglichkeit, schon vor Semesterbeginn günstiger zur Uni zu kommen.

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