Silvester-Ausschuss: Experte widerspricht Jäger

Düsseldorf.  Einer der bekanntesten Kriminalpsychologen hat der Landesregierung bei der Aufarbeitung der Kölner Silvesternacht deutlich widersprochen. Der Wiesbadener Wissenschaftler Rudolf Egg durchkreuzte gestern als Zeuge vor dem Untersuchungsausschuss des Landtags die zentrale Verteidigungslinie von Innenminister Jäger (SPD), der zufolge das Ausmaß der Übergriffe durch einen Mob aus jungen Migranten erst am 4. Januar absehbar gewesen sei. „Die Zahlen sprechen dagegen“, sagte Egg. Bereits am Neujahrstag seien 22 Prozent aller Anzeigen eingegangen.

Egg hat als Gutachter für den Untersuchungsausschuss mehr als 1000 Anzeigen zu den Kölner Übergriffen ausgewertet. Fast die Hälfte bezog sich auf sexuelle Übergriffe. Offenbar kam es in vielen Fällen zu keinem sonderlich sensiblen Umgang mit den Opfern, die nach Eggs Analyse zum überwiegenden Teil selbst Migrantinnen waren.

Die Kölner Polizisten waren laut Gutachter völlig überfordert und unzureichend ausgestattet. Das Land hatte den Einsatzplanern im Vorfeld einen Hundertschaftzug verweigert. Die Eskalation sei „Folge einer sozialen Ansteckung“, da die Polizei nicht eingeschritten sei. „So konnte eine Art Jagdstimmung entstehen.“ Nötig wäre eine „Null-Toleranz-Strategie“ gewesen.

 
 

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