Sieger des Wettbewerbs „Kooperation Ruhr“ stehen fest

Zusammenarbeit lohnt sich: 310 000 Euro flossen am Dienstag an zehn Projekte, die sich im ersten Wettbewerb „Kooperation Ruhr“ durchgesetzt hatten. Der Initiativkreis Ruhr und die RAG-Stiftung ehrten unter anderem eine Aktion für mehr Barrierefreiheit im Revier und die Kooperation „Wirtschaftsflächen Ruhr“.

Essen. Die Sieger des Ideen-Wettbewerbs „Kooperation Ruhr“ stehen fest. 310.000 Euro fließen an zehn herausragende Projekte, die das Potenzial haben, unser Ruhrgebiet besser und vor allem solidarischer zu machen. Denn diese Ideen fördern etwas, was die Städte im Revier früher nicht als ihr Ziel Nummer 1 ansahen: Zusammenarbeit. Das Kirchturmdenken scheint langsam aus der Mode zu kommen. Das Interesse an dem ersten Wettstreit dieser Art war jedenfalls überwältigend, zumal der finanzielle Anreiz groß war. Die Jury hatte die Qual der Wahl aus 124 Bewerbungen.

Die „Väter“ dieses Wettbewerbs, Wilhelm Bonse-Geuking (RAG-Stiftung) und Bodo Hombach (Initiativkreis Ruhr), schwärmten gestern von einem starken Signal für die Region. Das neue Miteinander solle zwischen Duisburg und Dortmund zum Mainstream werden.

Ausgezeichnet wurden große und kleine Projekte, Stadtteil-bezogene und solche, die das ganze Revier berühren; wirtschaftsfördernde Ideen, vor allem aber Menschliches. Mitten im Herzen des Reviers, im Weltkulturerbe Zollverein, bekamen die Preisträger kleine Trophäen, große Schecks und viel Applaus. An einem Ort, der wie die anderen großen Industriedenkmäler für den besonderen Charakter dieser Region steht: Nur gemeinsam gelingt die Arbeit. Hier eine Auswahl der besten Projekte:

Ruhr barrierefrei

Im ganzen Ruhrgebiet und bald auch darüber hinaus können sich Menschen mit körperlichen Einschränkungen im Internet informieren, wo sie barrierefreie Veranstaltungen, Unterkünfte, Verkehrsmittel und andere Angebote finden. Für die Jury ist dies eine der hervorragendsten Ideen im Wettbewerb, eine echte „Herzblutkooperation“. „Barrierefreiheit ist das Merkmal einer humanen Gesellschaft. Mehr oder weniger behindert sind wir alle, aber es gibt keinen Grund, auf jemanden zu verzichten“, sagte Laudator Bodo Hombach. Sichtlich bewegt nahmen Monika Agata-Linke, Björn Lachmann und Frank Jessen den Scheck über 30.000 Euro für den Verein Integralis e.V, die Aktionsgemeinschaft barrierefreies Leben und weitere Projektpartner entgegen. Die Freude war groß, aber Monika Agata-Linke stellte auch klar: „Im internationalen Vergleich haben wir bei der Barrierefreiheit einiges nachzuholen. Die Akzeptanz ist zwar zu 100 Prozent da, aber bei diesem Thema steckt der Teufel im Detail.“

Am Fluss entlang schreiben

Der Fluss, an dem Geschichten entstehen, ist die Emscher. In Schreibwerkstätten schreiben Schüler aus Dortmund, Castrop-Rauxel, Herne, Essen, Bottrop, Gelsenkirchen, Oberhausen und Dinslaken ab April 2013 Kapitel für ein Buch, das Stück für Stück am Fluss entsteht: Liebesgeschichten, Klein-Krimis, phantastische Kapitel. „Wer etwas aufschreibt und sich damit beschäftigt, verliert die Gleichgültigkeit“, sagte Laudator Dietmar Binkowska (NRW.Bank). Beteiligt sind der Verein Emscherfreunde, der Friedrich- Boedecker-Kreis und die LAG Jugend und Literatur. 10 000 Euro fließen in die Literatur-Idee.

Onleihe Ruhr

Nicht nur für Leute, die abends schlecht einschlafen können: Das Projekt Onleihe Ruhr bietet jedem auf Knopfdruck sofortigen Zugriff auf Literatur, eine 24-Stunden-Ausleihe sozusagen. Die öffentlichen Bibliotheken in Bochum, Ennepetal, Hattingen, Herne, Schwelm und Witten machen Bürgern ein Internet-Angebot. „15.000 elektronische Medien, alle nur einen Klick entfernt“, sagt Karin Anlauf (Bibliothek Herne). „Bibliotheken sind Orte der Begegnung. Das kann man auch virtuell entwickeln“, lobte Prof. Ulrich Radtke (Rektor Uni Duisburg-Essen). Preisgeld: 40.000 Euro.

Neurovaskuläres Netzwerk Ruhr

Fritz Pleitgen glaubt: „Dieses Projekt hat Vorbildcharakter für ganz Deutschland. So stelle ich mir die Metropole Ruhr nach der Kulturhauptstadt vor.“ Es geht um schnelle Hilfe für Schlaganfall-Patienten überall im Ruhrgebiet. 15.000 Revierbürger ereilt jedes Jahr dieses Schicksal. Im Netzwerk arbeiten Krankenhäuser aus 18 Gemeinden zusammen. Sie stimmen sich via Internet ab, um Schlaganfall-Opfern zu helfen. „Es geht dabei um jede Sekunde“, versichert Prof. Michael Schwarz (Klinikum Dortmund). Preisgeld: 60.000 Euro.

Wirtschaftsflächen Ruhr

Ein großes Vorbild für Zusammenarbeit: Die 53 Städte und Kreise im Ruhrgebiet führen Unternehmen und Wirtschaftsflächen zusammen. 25 000 Gewerbeflächen warten auf Interessenten. „Früher hieß es: Die Freundschaft der Städte endet bei der Gewerbeflächen-Verteilung. Heute beginnt die Freundschaft dort“, sagte Laudator Wilhelm Bonse-Geuking (RAG-Stiftung). Diese „Erfüllung unserer Wünsche“ ist der Jury 100 000 Euro Preisgeld wert.

Diese Projekte sind vorbildlich für die „Kooperation Ruhr“:

Kategorie A (Kooperation von Kommunen und Kreisen)

Platz 1: Wirtschaftsflächen Ruhr. 53 Kommunen, 100 000 Euro.
Platz 2: Neurovaskuläres Netzwerk Ruhr (Schlaganfall-Hilfe), Kliniken in 18 Kommunen, 60 000 Euro.
Platz 3: Onleihe Ruhr: Bibliotheken in Bochum, Ennepetal, Hattingen, Herne, Schwelm und Witten, 40 000 Euro.
Platz 4: WIR – Wohnen im Revier. Kooperation kommunaler Wohnungsunternehmen in Essen, Dortmund, Duisburg, Gelsenkirchen, Gladbeck, Herne, Witten, Mülheim und Bochum, 20 000 Euro.
Platz 5: InterGrün Waltrop/Castrop-Rauxel, Pflege von Grünflächen, 20 000 Euro.

Kategorie B (Kooperation Vereine, Verbände, Stiftungen, Bürger)

Platz 1: Ruhr barrierefrei. 53 Kommunen, 30 000 Euro.
Platz 2: Ehrenamtlich geführte Freizeitbäder in Marl und Sythen/Übernahme Hallenbad Rheurdt, 2 x 10 000 Euro.
Platz 3: Am Fluss entlang schreiben, Emscher-Region, 10 000 Euro.
Platz 4: Metropol Baskets Ruhr, Recklinghausen/Essen, 5000 Euro.
Platz 5: „KRAY OR DIE“, Jugendkultur-Festival Essen, 5000 Euro.


Sonderpreis: Zukunftsvereinbarung Regenwasser in der Emscherregion, 18 Kommunen.

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