Sie nennen ihn "Mr. Bean" oder "Bambi"

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Madrid. Sozialistenchef Jose Luis Zapatero setzt auf neue Wege in der Politik und auf Dialogbereitschaft gegenüber seinen Gegnern - bei den Parlamentswahlen wurde sein Kurs belohnt

Vor vier Jahren gelangte er zur Überraschung Spaniens und der Welt an die Macht. Dass es sich bei dem Sieg seiner sozialistischen Partei PSOE nicht um einen Zufall handelte, den sie lediglich den Terroranschlägen in Madrid drei Tage vor der damaligen Wahl verdankte, kann Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero (oben im Bild mit Ehefrau Solonses Espinoza) nun mit einer zweiten Amtszeit beweisen. Bei den Parlamentswahen ging der 47-Jährigen und seine PSOE am Sonntagabend als klare Sieger vor der konservativen Volkspartei (PP) von Mariano Rajoy hervor.

Image des kühnen Reformers

Zapatero ist einer der wenigen linken Regierungschefs in Europa, die sich in diesen Zeiten im Amt halten. Mit seinem «Neuen Weg», der dem «Dritten Weg» des früheren britischen Premierministers Tony Blair nachempfunden ist, pflegt er sein Image eines kühnen Reformers und Vorreiters eines gemäßigten Sozialismus. Auf das Konto des umgänglichen Politikers mit den blauen Augen und dem ewigen Lächeln gehen einige umstrittene Entscheidungen: So löste er kurz nach der Wahl vor vier Jahren eines seiner Hauptversprechen ein und zog die spanischen Truppen aus dem Irak ab. Unter seiner Regie erlangte Katalonien eine größere Autonomie, und die Homo-Ehe wurde eingeführt.

Die ETA konnte er nicht befrieden

Sein wichtigstes Ziel hat der ehemalige Rechtsanwalt jedoch noch nicht erreicht: Den mehr als 40 Jahre alten Konflikt mit der baskischen Untergrundorganisation ETA beizulegen und dem «Terrorismus» im Land ein Ende zu setzen. Zwei Tage vor der jetzigen Wahl wurde im Baskenland erneut ein ehemaliger sozialistischer Kommunalpolitiker erschossen. Auch wenn sich niemand zu der Tat bekannte, für Zapatero war klar: Dahinter steht die ETA. Sie hatte zuvor zu einem Boykott der Wahl aufgerufen.

Sein Großvater kämpfte im Bürgerkrieg

Zapateros politische Prägung wurde früh angelegt. Im Spanischen Bürgerkrieg kämpfte sein Großvater auf der Seite der Republikaner gegen die nationalistisch-faschistischen Truppen Francos. Nach Ende der Diktatur und dem Rückkehr zur Demokratie trat der 18-Jährige der Sozialistischen Partei bei. 1986 wurde er als jüngster Abgeordneter ins Parlament gewählt. Für Aufsehen sorgten dort 17 Jahre später Zapateros heftige Auseinandersetzungen mit dem konservativen Regierungschef José Maria Aznar über dessen Unterstützung für Washingtons Irak-Invasion. Die Medien lobten den kühlen, ruhigen Ton des damaligen Oppositionschefs, der kurz darauf Aznars Nachfolger wurde.

Die konservative Opposition bezeichnet Zapateros bisherige Regierungszeit als «Legislatur der Verkrampfung» und wiederholte bei jeder Gelegenheit ihr Leitmotiv eines zerbrechenden Spaniens. Den häufig barschen und persönlichen Anfechtungen setzte der Ministerpräsident, dem die Spanier die Spitznamen «Bambi», «Mister Bean» und «Peter Pan» gaben, Dialogbereitschaft und Optimismus entgegen. Offenbar kam er damit an bei den Wählern. (afp)

 
 

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