Separatisten führen Gefangene vor

Christian Kerl

Kiew/Berlin.  Die Verschleppung einer von Bundeswehroffizieren angeführten Militärbeobachter-Mission in der Ostukraine durch prorussische Rebellen hat den Ukraine-Konflikt weiter angeheizt. In dramatischen Appellen forderten Bundesregierung und Bundespräsident Joachim Gauck gestern die Freilassung der acht Geiseln — doch die Separatisten setzen auf einen Nervenkrieg. Am Abend entließen sie lediglich einen schwedischen Beobachter, weil er an Diabetes leide, so eine Sprecherin.

Die am Freitag zusammen mit fünf ukrainischen Soldaten festgesetzten Inspektoren der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), unter denen sich drei Bundeswehrsoldaten und ihr Dolmetscher sowie Offiziere aus Tschechien, Schweden, Dänemark und Polen befinden, wurden gestern internationalen Journalisten vorgeführt. Der Leiter der Mission, der deutsche Oberst Axel Schneider, erklärte, sie seien „Gäste“ des selbst ernannten Bürgermeisters Wjatscheslaw Ponomarjow und keine Kriegsgefangenen. Doch als solche bezeichnete Ponomarjow seine Geiseln – die Separatisten werfen ihnen Spionage für die Nato vor und verlangen einen Austausch gegen Rebellen, die von der Ukraine festgehalten werden.

Bundespräsident Gauck appellierte an die Separatisten und auch an Russland, die Beobachter freizulassen. Außenminister Frank-Walter Steinmeier SPD) sagte: „Wir tun alles, um die Personen in Freiheit zu bringen.“ US-Außenminister John Kerry schloss einen Austausch der Militärbeoachter mit prorussischen Gefangenen in Kiew indes ausdrücklich aus.

Eine Delegation der OSZE verhandelt seit gestern in Slawjansk über die Freilassung der Beobachter. Die Lage ist unübersichtlich, weil die Beobachter nicht den eigentlichen beiden diplomatischen OSZE-Missionen in der Ukraine angehören, sondern auf Einladung der Regierung in Kiew unterwegs waren. Nach Angaben des Missionsleiters ging es darum, den Zustand der ukrainischen Streitkräfte zu untersuchen; er wies Spionagevorwürfe zurück.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) nannte Vertrauensbildung als Aufgabe der Beobachtermission. Die Linkspartei äußerte bereits schwere Kritik: Der Spionagevorwurf sei „nicht gänzlich“ von der Hand zu weisen, der Einsatz sei unprofessionell, rügte Linke-Verteidigungsexperte Alexander Neu.