Professor wünscht sich ein gastfreundlicheres Ruhrgebiet

Anna Wright, 23, aus Australien, Eugenio Sanchez, 22, aus Chile und Jodine Russell, 19, aus Australien (v.lks.) nehmen am Wintersprachkurs der Universität Duisburg-Essen teil. Das Revier bräuchte mehr Studierende aus dem Ausland, finden Experten. Foto: Ulrich von Born/ WAZ FotoPool
Anna Wright, 23, aus Australien, Eugenio Sanchez, 22, aus Chile und Jodine Russell, 19, aus Australien (v.lks.) nehmen am Wintersprachkurs der Universität Duisburg-Essen teil. Das Revier bräuchte mehr Studierende aus dem Ausland, finden Experten. Foto: Ulrich von Born/ WAZ FotoPool
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Der Raumplaner und „Bürger des Ruhrgebiets“ Klaus Kunzmann wirft dem Ruhrgebiet vor, nicht „gastfreundlich“ genug zu sein. Die Region müsse viel mehr tun, um junge Talente aus aller Welt anzulocken.

Essen. Das Ruhrgebiet und nicht gastfreundlich? Dieser Vorwurf ist nicht leicht zu vermitteln. Denn das Revier gilt ja schon wegen seiner industriellen Vergangenheit als Musterbeispiel für Gastfreundlichkeit. Fast jeder, der hier wohnt, hat Vorfahren, die nicht aus dem Revier stammen. Professor Klaus Kunzmann glaubt aber: Die Türen für Fremde müssten weiter offen stehen.

„Bei der Gastfreundschaft müssen wir besser werden“, sagte der Wissenschaftler auf der Tagung „Lebensqualität im Ruhrgebiet“, zu der das Kulturwissenschaftliche Institut (KWI) in die Essener Philharmonie geladen hatte. Konzmann war per „Skype“ aus Melbourne zugeschaltet, wo er als Gastprofessor im Royal Melbourne Institute of Technology (RMIT) lehrt.

Die Metropolregion Melbourne und das Ruhrgebiet trennt viel. Zum Beispiel zieht es junge Menschen aus aller Welt zum Studium nach Australien (von 75.000 Studenten an der Uni RMIT kommen 30.000 aus dem Ausland), aber nur wenige auf der Welt träumen von einer akademischen Ausbildung im Ruhrgebiet.

„Das Ruhrgebiet ist keine Metropole“

„Wenn wir junge, talentierte Menschen ins Revier locken wollen, dann müssen wir ihnen bessere Angebote machen. Wir müssen es ihnen, wenn sie das Studium hier beenden, leichter machen, eine Aufenthaltserlaubnis zu bekommen. Und wir müssten internationale Schulen an der Ruhr fördern“, sagte der Raumplaner. Das alles führe zu mehr Gastfreundschaft. Noch etwas riet der Wissesnchaftler seinen Zuhörern in essen: „Das Revier ist und bleibht eine Technologieregion. Dieses Profil sollten wir weiter schärfen.“

Ein Markenzeichen spricht Kunzmann dem Ruhrgebiet übrigens gänzlich ab: die „Metropole“. „Wir sollten nicht vorgeben, eine Metropole zu sein. Das ist einfach nicht glaubwürdig. Das Ruhrgebiet ist keine Metropole und wird es auch nie werden.“