NRW kippt Pflicht zum Kauf teurer Taschenrechner in Oberstufe

Mathelehrer finden den Taschenrechner sicher gut. Nun sollen die Schulkonferenzen darüber entscheiden, ob sie Oberstufenschüler verpflichten wollen, grafikfähige Taschenrechner anzuschaffen.
Mathelehrer finden den Taschenrechner sicher gut. Nun sollen die Schulkonferenzen darüber entscheiden, ob sie Oberstufenschüler verpflichten wollen, grafikfähige Taschenrechner anzuschaffen.
Foto: Volker Speckenwirtz/ WAZ FotoPool/ Archiv
Oberstufenschüler in NRW müssen ab August nicht generell einen grafikfähigen Taschenrechner für den Schulunterricht anschaffen. Darauf hat sich die rot-grüne Koalition in NRW geeinigt. Statt einer allgemeinen Kaufpflicht sollen nun die Schulen selbst über die Anschaffungen entscheiden.

Düsseldorf. Die geplante generelle Pflicht zum Kauf teurer Taschenrechner für Schüler in der Oberstufe ist vom Tisch. Nach massiver Kritik von Eltern, Lehrern und Fraktionen im Landtag ändert das Schulministerium den bisherigen Erlass.

Künftig sollen die Schulkonferenzen selbst entscheiden, ob Eltern einen rund 90 Euro teuren Taschenrechner kaufen müssen, ganze Klassensätze bestellt werden oder im Unterricht Smartphones, Laptops, Tablets oder PCs mit Grafik-App eingesetzt werden.

Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) verlangt allerdings, dass die Schulen täuschungs- und prüfungssichere Lösungen finden. Bei Prüfungen sollen deshalb nur schuleigene Geräte eingesetzt werden dürfen.

Das Ministerium will den Schulen in den nächsten Tagen den geänderten Erlass zukommen lassen. Damit reagiert die Ministerin auf die breite Kritik in einer Expertenanhörung im Schulausschuss des Landtags, die auf Initiative der Piraten-Fraktion zustanden kam.

Darin hatten Fachleute den Nutzen der Anschaffung teurer Grafik-Taschenrechner bezweifelt, weil längst kostenfreie Grafikprogramme für Smartphones erhältlich seien. Die Piraten bezeichneten die „Einführung alter Technologie als Unfug“. Die SPD-Landtagsabgeordnete Renate Hendricks hatte die soziale Härte für Geringverdiener bemängelt und eine Erweiterung des Erlasses angemahnt.

Kompromiss aus Rücksicht auf Geringverdiener

In der SPD-Landtagsfraktion begrüßte Renate Hendricks den gefundenen Kompromiss mit dem grünen Koalitionspartner. Damit soll sichergestellt werden, dass Geringverdiener nicht diskriminiert werden. Auch die Grünen hatten Sicherheit gefordert, dass Eltern mit der Anschaffung neuer Geräte nicht überfordert seien. Schulen, die zusätzliche Computer mit Grafikprogrammen anschaffen wollen, können Geräte auch über Fördervereine finanzieren.

Schulministerin Löhrmann hatte die generelle Einführung der Taschenrechner geplant, um mathematische Kompetenzen der Schüler zu fördern. Auch aus der Lehrerschaft wurde der Erlass des Ministeriums aber kritisiert, weil die pädagogische Sinnhaftigkeit nicht erkennbar sei. Zudem dürften die Geräte, die Schülern das Errechnen von Grafiken abnehmen, an vielen Universitäten nicht genutzt werden.

Der Chef des NRW-Philologenverbandes, Peter Silbernagel, hatte gewarnt: „Welcher Mehrwert kommt dabei herum, wenn Schüler in vielen Bereichen die Lösungen präsentiert bekommen, ohne den Weg zum Ergebnis zu erfahren?“ Gerade in Mathe sei das Verständnis der Knackpunkt, sagte Mathelehrer Silbernagel.

Bis zum Start des neuen Schuljahres am 1.August müssen die Schulkonferenzen nun über technische Lösungen entscheiden, die auch das Schummeln in Klausuren verhindern.

 
 

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