Doktortitel-Affäre: Professoren geständig

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Düsseldorf. In NRW sind nach neuesten Erkenntnissen des Wissenschaftsministeriums 22 Hochschullehrer verdächtig, mit Doktortiteln gehandelt zu haben. Zu Arbeitsort und Identität der Beschuldigten will die Staatsanwaltschaft aber weiterhin keine Angaben machen.

In der bundesweiten Affäre um erkaufte Doktortitel hat die Staatsanwaltschaft Köln inzwischen mehr als ein Dutzend Verfahren abschließen können. Dabei habe es mehrere Geständnisse von Hochschulprofessoren gegeben, bestätigte Oberstaatsanwalt Günther Feld der WAZ. Die meisten Verfahren seien gegen Zahlung von Geldauflagen eingestellt worden. In einem Fall habe der betroffene Dozent eine zehnmonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung akzeptiert. Da insgesamt aber erst 15 von 100 Verdachtsfällen aufgeklärt sind, scheint die „Doktortitel-Affäre“ noch längst nicht ausgestanden. Zu Arbeitsort und Identität der Beschuldigten will Oberstaatsanwalt Feld weiterhin keine Angaben machen.

Bereits seit 2007 ermittelt die Kölner Behörde gegen eine „Wissenschaftsberatung“ in Bergisch Gladbach sowie gegen bundesweit etwa 100 Professoren. Sie sollen gegen Bestechungsgelder ungeeignete Kandidaten zur Promotion angenommen haben. In NRW sind nach neuesten Erkenntnissen des Wissenschaftsministeriums 22 Professoren an den Hochschulen Aachen, Bochum, Bonn, Düsseldorf, Duisburg-Essen, Köln, Münster und Witten/Herdecke betroffen. Bislang war von 16 NRW-Dozenten die Rede.

Kriminelle Energie

Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) geht davon aus, dass in den allermeisten Fällen disziplinarische Maßnahmen „vom unmittelbaren Dienstherren“, also den Universitäten, getroffen würden, erklärte ein Sprecher gegenüber der WAZ. Nur wenn beamtenrechtliche Fragen berührt seien, müsse sich das Land einschalten.

Forderungen nach einer Änderung des Promotionsrechts in NRW lehnt das Wissenschaftsministerium ab. Teile des Landtags wollen die von Universität zu Universität unterschiedlichen Regeln zur Erlangung eines Doktortitels im Hochschulrecht des Landes verankern. Pinkwart weist jedoch darauf hin, dass es den Hochschulen nicht an klaren Vorgaben mangele. Schon heute seien die Universitäten in der Lage, sich von einem Promotionskandidaten per eidesstattlicher Erklärung versichern zu lassen, dass er die Doktorarbeit selbst geschrieben habe und alle Voraussetzung für diesen akademischen Grad erfülle. „Die besten Regeln nützen nichts, wenn sie mit krimineller Energie hintergangen werden“, sagte ein Ministeriumssprecher.