Der Professor mit der Posaune

Soest. Lehren, Organisieren, Kontakte knüpfen – und dabei auch noch Spaß haben? Das kann nicht jeder. Reinhard Spörer von der FH Soest kann es. Ein Porträt über einen quirligen Professor, der überall mitmischt, ein großes Netzwerk unterhält und nicht jammern mag über seinen Job als Hochschullehrer.

Spaß? Wer bitte spricht in Zeiten nach Bologna noch im Ernst vom Spaßfaktor des Hochschullehrerberufs? Oder vom Vergnügen, Absolventen einen guten Karrierestart zu sichern? Oder gar von der angenehmen Pflicht, jeden Studierenden nach seinen Fähigkeiten zu unterstützen? Prof. Dr. Reinhard Spörer vom Fachbereich Maschinenbau¬Automatisierungstechnik der Fachhochschule Soest tut es!

Marketing- und Aktionstalent

Denn wenn es um seine Studenten und seine Hochschule geht, ist Spörer unkonventionell aktiv. Außerdem lässt er sich von Rückschlägen nicht blockieren. „Es bringt nichts, in Schwierigkeiten herumzuwühlen“, lautet eines seiner Credos. Regelmäßig etwa stellt der Professor das Campus-Summernight-Fest der FH Soest auf die Beine. Egal ob’s auf der Party stürmt und der Regen ein Defizit in die Kasse spült. Dann blickt Spörer eben schon ins nächste Jahr, das die Miesen ausgleichen soll. Die Hochschule kann auf das Ereignis, bei dem Spörer samt Big Band auch selbst zur Posaune greift, ohnehin nicht mehr verzichten. Es ist die Party, von der man spricht, die Nacht des Matchmaking für Studierende und Arrivierte, ein Aushängeschild der Hochschule.

Ebenso wie der Recruitment-Event schlechthin: An der Soester Hochschule steigt jährlich Nordrhein-Westfalens größter Karrieretag für Ingenieure, an dem Unternehmen aus der ganzen Republik teilnehmen. Die Basis dafür legte Spörer vor zehn Jahren mit der Gründung des Verbands Soester Ingenieure (VSI), der heute über 800 Mitglieder zählt. Die meisten von ihnen sind Alumni mit engen Beziehungen zu ihrer Hochschule.

Networking – das ist eine von Spörers Spezialitäten. Auch im Internet pflegt er Kontakte, „rund 3 000“, schätzt er. Und in seinem quirligen Geist reifen immer neue Ideen – etwa jene, mit Guinness-Weltrekorden auf seine Hochschule und ingenieurtechnische Leistungen aufmerksam zu machen. Im Jahr 2005 holte er für die FH Soest den Guinness-Weltrekord im simultanen Sektkorken-Knallen. Im Sommer 2009 startete er wieder einen Versuch. Diesmal hatten er und seine Helfer das größte Kartoffelkraftwerk der Welt errichtet. Für sein Marketing- und Aktionstalent hat das Magazin „Unicum Beruf“ den Umtriebigen bereits im vergangenen Jahr zum „Professor des Jahres“ in der Kategorie Ingenieure + IT gekürt.

Äußerlich hält es Spörer nicht mit dem Mainstream. Sein freundliches Bartgesicht passt auf den ersten Blick jedenfalls nicht zu einem Maschinenbauer, jener Ingenieurzunft, in der akkurate Frisur und Rasur wie Symbole von Präzision und Qualität getragen werden. Doch bei Werten erweist sich Spörer als „Klassiker“: Verantwortung, Selbstständigkeit, Fordern und Fördern – das will er vermitteln. Und Selbsterkenntnis, eine an der FH Soest ohnehin hochgehaltene Tugend: So muss jeder Studienanfänger einen Test absolvieren, der dazu dient, die eigenen Kompetenzen besser einzuschätzen. Ein faires Verfahren, findet Spörer. Denn solche Dinge sind ihm wichtig, klassische Werte als Eckpfeiler eines strebsamen Lebens, Fundamente der Sicherheit, die das Gemüt nicht zerquälen. Am meisten aber schätzt Spörer an Menschen Toleranz. So durfte seine Familie über seinen Wohnort mitentscheiden, weshalb er nun wochentags in Soest, am Wochenende in Hannover lebt. Zu Hause fühlt er sich hier wie dort.

Wenig Energie für Positionskämpfe

Dieses Gefühl familiären Eingebundenseins hält Spörer den Rücken frei für die Arbeit und motiviert ihn. Schließlich weiß man in einer kleineren Hochschulgemeinschaft besser als an einer Massenuniversität, für wen man sich einsetzt. In Soest, so Spörer, „ziehen alle an einem Strang“. Und man schließt Freundschaften fürs Leben. Augenzwinkernd wird von einer „Soester Mafia“ gemunkelt, von Absolventen, die gleich im Doppel- oder Mehrfachpack von Unternehmen angeheuert werden. „Es sind halt effiziente und kreative Teams, die ein tiefes Vertrauen eint.“

Um die Jahrtausendwende aber hatte er doch einen Zahn zu viel zugelegt. „Da hatte ich gesundheitliche Probleme; seitdem trete ich etwas kürzer.“ Merkt man nicht wirklich. Beim diesjährigen Sommerfest organisierte er nicht nur den Kartoffelkraftwerk-Weltrekord, er stand auch wieder mit seiner Posaune auf der Bühne. Aber auf die Frage, welchen Marketing-Gag er für seine Hochschule als Nächstes plant, schmunzelt Spörer. Und plötzlich schimmert ein Hauch von narzisstischem Showtalent durch. Ist dieser leise Odem sein mächtiges Movens?

 
 

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