An Berufskollegs fehlen Tausende Mathe- und Technik-Lehrer

An Berufsschulen fehlen Tausende Lehrer für naturwissenschaftliche und technische Fächer.
An Berufsschulen fehlen Tausende Lehrer für naturwissenschaftliche und technische Fächer.
Foto: Photothek/Getty Images
An den Berufskollegs in NRW fehlen Tausende Lehrer für Mathe, Informatik und Technik. Ein Armutszeugnis, findet die CDU-Opposition im Land.

Düsseldorf. Die NRW-Berufskollegs suchen verzweifelt neue Technik- und Informatiklehrer. Nach Prognosen des Schulministeriums könnte sich die Lücke an MINT-Lehrern (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) an Berufskollegs von heute rund 2000 auf etwa 5000 im Jahr 2029 erhöhen. NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) will mit einer Offensive mehr Ingenieur-Studenten und Studienwechsler für den Lehrerberuf gewinnen. „Die Landesregierung arbeitet daran, die Attraktivität von MINT auszubauen“, sagte Löhrmann dieser Zeitung.

Werben um Seiteneinsteiger in MINT-Fächer

Der CDU-Schulexperte Klaus Kaiser sieht „extremen Handlungsbedarf“ an Berufsschulen. „Der Lehrermangel in den technischen Fächern für eine duale Ausbildung an Berufskollegs ist dramatisch.“ Im Technikland Nummer eins sei es ein Armutszeugnis, dass Kurse in Technikfächern oft nicht angeboten könnten, sagte Kaiser dieser Zeitung.

Angesichts zahlreicher Pensionierungen und der geringen Zahl an Referendaren fürchten Experten wie der Bildungsforscher Klaus Klemm einen dauerhaften Fehlbedarf an Lehrkräften in MINT-Fächern in allen Schulformen. Danach kann der Einstellungsbedarf an Lehrern in Fach Technik bis zum Schuljahr 2025/26 nur zu 21 Prozent gedeckt werden, für Physik 35, Chemie 47 und Informatik zu 56 Prozent.

Nach Angaben des Schulministeriums gibt es für Lehramtsanwärter an Berufskollegs in den Fächern Maschinentechnik, Elektrotechnik, Informatik, Gesundheit und Erziehung dauerhaft einen hohen Einstellungsbedarf. Deshalb wirbt NRW auch verstärkt um Seiteneinsteiger an Berufskollegs in technischen Fächern. Auch können Lehrkräfte durch eine Zusatzqualifizierung in MINT-Fächern eine unbefristete Unterrichtserlaubnis für diese Fächer erwerben.

Handicap für den Standort NRW

CDU-Schulexperte Kaiser forderte die Landesregierung auf, stärkere Aufmerksamkeit auf die dualen Ausbildungsgänge zu richten. Die duale betriebliche Ausbildung sei ein Garant für den wirtschaftlichen Erfolg in NRW. „Der Mangel an Technik-Lehrern schadet dem Standort NRW“, warnte Kaiser. In diesem Zusammenhang kritisierte Kaiser auch die geringen Angebote an Leistungskursen in mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern an weiterführenden Schulen. Von rund 90 000 Abiturienten eines Jahrgangs in NRW hätten nur 608 einen Informatik-Leistungskurs, 3068 einen Chemie-LK, 4444 einen Physik-LK und 164 einen Technik-LK belegt – vielfach, weil diese Kurse wegen Lehrermangels gar nicht erst angeboten wurden.

Die nordhrein-westfälische Landesregierung will die naturwissenschaftliche Profilbildung an Schulen mit einer Zertifizierung als MINT-Schulen weiter fördern und auch Wettbewerbe wie „Jugend forscht“, Mathematik- und naturwissenschaftliche Olympiaden unterstützen, um bei mehr Schülern frühzeitig Interesse für Technik und Naturwissenschaften zu wecken. „Deshalb brauchen wir Lehrkräfte, die Schüler für ihr Fach begeistern können“, sagte Löhrmann.

Für den CDU-Schulexperten Kaiser ist es allerdings längst fünf Minuten vor zwölf. Es sei eine Katastrophe, dass NRW-Schüler in den bundesweiten Leistungsvergleichen in Mathematik den drittletzten Platz, in Chemie den zweitletzten Platz und in Physik den letzten Platz belegten. Kaiser sprach sich für eine „lokale Verantwortungsgemeinschaft“ zwischen Schule und Wirtschaft zur Förderung der Ausbildung in technischen Berufen aus.

 
 

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