Schuld und Sühne nach Loveparade – von Thomas Wels

Es ist ein zutiefst mensch­liches Bedürfnis, nach monströsen Katastrophen wie der Massenpanik bei der Loveparade eine Antwort auf die Frage nach dem oder den Schuldigen zu erhalten. Eine Techno-Party der Superlative sollte sie sein, Duisburg wollte in Fernsehbildern glänzen, am Ende des 24. Juli 2010 waren 21 junge Menschen tot, mehr als 340 verletzt, ­einige sind schwer trauma­tisiert. Die Tragödie versetzte das Land in Schockstarre. Das dunkle Maul des Tunnels an der Karl-Lehr-Straße, es war Sinnbild für das Grauen. Und für das Versagen.

Wessen Versagen, das ist Gegenstand der staats­anwaltschaftlichen Ermittlungen. Was man im Sommer 2010 schon erahnen konnte, wird nun zunehmend Gewissheit. Nicht einer alleine hat versagt, es war mutmaßlich ein multiples Versagen von Veranstalter, Stadtverwaltung und tragischerweise auch der Polizei. Die strafrechtliche Relevanz müssen Staatsanwälte ermitteln.

Was sich deren Beurteilung entzieht, ist der unwürdige Umgang mit der Tragödie. Gutachten, Gegengutachten, Schuldzuweisungen – auch daran waren viele ­beteiligt. Duisburgs Ober­bürgermeister Sauerland fand zuerst die falschen ­Worte, sodann keine mehr, dann fing er an sich zu ­wehren und machte alles noch schlimmer. Jetzt ­entscheiden die Duisburger Bürger über seinen Verbleib im Amt, über das Versagen nach dem Versagen.

 
 

EURE FAVORITEN