Schüler-Nachhilfe überfordert Eltern

Berlin.  Sie üben vor Klassenarbeiten, helfen bei Referaten und Hausaufgaben: Vor allem Mütter von leistungsgeplagten Gymnasiasten übernehmen häufig die Rolle des Hilfslehrers am Nachmittag. Die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung beklagt jetzt die Folgen des wachsenden Schuldrucks: Die Mehrheit der Mütter stellt ihre eigenen beruflichen Ziele viele Jahre lang für den Erfolg der Kinder zurück.

Für die Aufgabenverteilung innerhalb der Familie bedeutet das: „Schule trägt dazu bei, dass die gesellschaftliche Ungleichstellung von Frauen und Männern gefestigt wird“, heißt es in der am Montag vorgestellten Studie „Eltern - Lehrer - Schulerfolg“. Durch Leistungsdruck und Versagensangst werde vor allem in der Mittelschicht das überholte Rollenbild der Mutter als häuslich Verantwortliche neu belebt.

Drei von vier Eltern mit Kindern auf weiterführenden Schulen fühlen sich laut Studie durch die Unterrichtsanforderungen „sehr“ belastet. Vor allem die G8-Gymnasien würden Müttern und Vätern signalisieren: Ein Elternteil sollte nachmittags zu Hause sein und sich um die Bewältigung der hohen Leistungsstandards kümmern. Angesichts der üblichen Lohnunterschiede heißt das in der Praxis der allermeisten Familien: Die Mutter bleibt zu Hause oder arbeitet allenfalls Teilzeit mit geringem Stundenumfang. „Die aktuelle Schulkultur beschränkt und beschneidet die Erwerbstätigkeit von Frauen“, bilanziert die Studie. In der Mittelschicht sind tatsächlich nur 20 Prozent der Mütter mit Kindern in der Sekundarstufe I Vollzeit tätig.

Und die Väter? Die einen bleiben laut Studie „notgedrungen“ in der Rolle des Haupternährers - auch wenn sie mit ihrer Partnerin eigentlich ein ganz anderes Rollenmodell leben wollen. Für die anderen sei die schulische Verpflichtung der Mütter ein oft sogar willkommener Grund, am traditionellen Rollenbild festzuhalten.

Alleinerziehende und Familienernährerinnen haben es allerdings noch deutlich schwerer: Ihnen fehle es, so die Studie, oft an Zeit und Kraft, „auch noch den Schulalltag ihrer Kinder täglich zu begleiten“.

 
 

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