Schüler im Ruhrgebiet deutlich schwächer als der Durchschnitt

Problemfach Englisch: Fach Englisch: Bei 37 Prozent der Schüler im Ruhrgebiet erschöpft sich die Kompetenz im „einfachen Verstehen“, im NRW-Landesschnitt sind es 32 Prozent.
Problemfach Englisch: Fach Englisch: Bei 37 Prozent der Schüler im Ruhrgebiet erschöpft sich die Kompetenz im „einfachen Verstehen“, im NRW-Landesschnitt sind es 32 Prozent.
Foto: Michael Kleinrensing
Die Lernstandserhebung für Achtklässler führt zu Besorgnis erregenden Ergebnissen: Weniger Kinder erreichen in Deutsch, Englisch und Mathe die höchsten Kompetenzstufen. Das Ruhrgebiet schneidet zum Teil deutlich schwächer als der Durchschnitt.

Düsseldorf. Kurz vor den Sommerferien erhalten Nordrhein-Westfalens Bildungspolitiker ein ernüchterndes Abschlusszeugnis: Trotz aller politischen Reformbemühungen, Strukturdebatten und Fördermaßnahmen sind die landesweiten Schülerleistungen 2013 im Vergleich zum Vorjahr noch einmal leicht abgesackt. In den Kernfächern Mathematik, Englisch und Deutsch hat die Zahl der Schüler in den beiden obersten Kompetenzgruppen spürbar abgenommen. Das geht aus den landesweiten Lernstandserhebungen hervor, die unserer Zeitung vorliegen.

Nur noch 20 Prozent der getesteten Schüler erreichen in Mathematik die obersten Niveaustufen 5 und 5plus, 2012 waren es noch 24 Prozent. In Englisch waren es 34 Prozent im Vergleich zu 44 Prozent in 2012. In Deutsch konnten nur 29 Prozent ein vertieftes Leseverständnis nachweisen, 2012 waren es noch 41 Prozent.

Die Teilnahme ist verpflichtend

Bei den Lernstandserhebungen werden seit 2008 landesweit rund 200.000 Achtklässler getestet. Die Teilnahme an den Tests, die in allen Bundesländern durchgeführt werden, ist für alle Kinder Pflicht. Trotz vieler Fördermaßnahmen zeigt sich bei der Auswertung 2013 erneut, dass Schüler aus sozial schwierigen Regionen wie großen Teilen des Ruhrgebiets in den Leistungen hinter dem Landesschnitt zurückbleiben.

So erreichen im Ge­biet des Regionalverbandes Ruhr (RVR) 32 Prozent aller Schüler in Mathematik nur Kompetenzlevel zwei, was einfache Standardverfahren umfasst. Im Landesschnitt fallen in diesen unteren Leistungsbereich nur 25 Prozent. In Deutsch sind 48 Prozent der Schüler im RVR-Bereich gerade zum einfachen Verstehen der wesentlichen Gedanken eines Textes in der Lage. Im NRW-Schnitt sind es nur 41 Prozent. Das gleiche Bild im Fach Englisch: Bei 37 Prozent der RVR-Schüler erschöpft sich die Kompetenz im „einfachen Verstehen“, im Landesschnitt sind es 32 Prozent. Rund zehn Prozent der Achtklässler im Revier weisen in allen drei Fächern sogar keine oder nur sehr geringe Fähigkeiten auf.

FDP-Fraktionsvize Ralf Witzel forderte vom Land besondere Anstrengungen zur Verbesserung der Schülerleistungen im Ruhrgebiet: „Das Abschneiden insbesondere an Haupt- und Gesamtschulen im RVR kann uns nicht zufriedenstellen.“ Im Schulformenvergleich schneiden Realschüler besser ab als Gesamtschüler, die später in die Oberstufe wechseln.

Eltern und Schüler erhalten zwar von ihrer jeweiligen Schule eine Rückmeldung über die Ergebnisse der Lernstandserhebung. Für den Außenstehenden ist aber oft nicht ersichtlich, wie die Resultate „schulscharf“ ausgefallen sind. Nur besonders erfolgreiche Schulen veröffentlichen in der Regel ihre Einzelergebnisse auf ihrer Homepage und werben damit. Das Schulministerium macht hier keine Vorgaben.

Um das soziale Umfeld einer Schule zu berücksichtigen und die Leistungen fair einzuordnen, hat die Landesregierung sogenannte Standorttypen gebildet. Der aus Essen stammende FDP-Abgeordnete Witzel kritisiert, dass bei zu vielen Ruhrgebietsschulen ungünstige Voraussetzungen geltend gemacht würden: „Eine zu große Zuordnung von Ruhrgebietsschulen zu ungünstigen Standorttypen darf nicht als Beruhigungspille dienen.“

 
 

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