Schröder und Fischer machen jetzt in Pipelines

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Essen. Nun tanzen sie wieder, die Titanen der Weltpolitik. Dieses Mal nicht miteinander, sondern gegeneinander. Gerhard Schröder arbeitet für Gazprom. Fischer soll den Konkurrenten Nabucco unterstützen.

Hier Gerhard Schröder (SPD), der als Kanzler a.D. und Aufsichtsratschef einer Betreibergesellschaft die Erdgas-Pipeline North Stream vorantreibt; dort Joschka Fischer (Grüne).

Joschka Fischer macht jetzt auch in Pipelines – bei der Konkurrenz Nabucco. Da haben die Gas-Manager auf beiden Seiten des Rohres ganze Arbeit geleistet.

Schröder war mit seinen engen Verbindungen zum heutigen russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin und seinem Netzwerk idealer Kandidat für die 1220 Kilometer lange Pipeline durch die Ostsee nach Greifswald. Zudem hatte die Bundesregierung unter Schröder das knapp acht Milliarden Euro teure Projekt unterstützt.

Abhängig von Russen

Kurz nach dem Regierungswechsel 2005 wurde eine vorbereitete Bürgschaft über 900 Millionen Euro bewilligt. Mehrheitseigentümer der Röhre ist Gazprom, beteiligt ist auch Eon, seit Jahrzehnten Vertragspartner der Russen. Das Ziel von Gazprom ist klar: den dominierenden Einfluss bei der Versorgung Europas auszubauen.

Fischer soll als Berater bei der Konkurrenz anheuern: Die Nabucco-Pipeline soll für ein Konsortium aus sechs Versorgern, darunter RWE, zen-tralasiatisches Gas von der Türkei aus unter Umgehung Russlands nach Europa ins österreichische Baumgarten bringen. Die EU-Kommission unterstützt Nabucco, um die Abhängigkeit von russischen Gasvorkommen zu verringern.

Kaspische Reserven

Die Konflikte der Russen mit der Ukraine, die zu einer Gas-Blockade mit Folgen für Europa geführt hatten, haben die EU bestärkt. Nabucco, 3300 Kilometer lang, acht Milliarden Euro teuer, soll kaspische Erdgasreserven gegen Gazprom in Stellung bringen. Was politisch schon wegen der ehemaligen Bruderstaaten Aserbaidschan, Kasachstan, Usbekistan und Turkmenistan brisant ist. Gazprom baut daher eine weitere Pipeline, South Stream, als direkte Nabucco-Konkurrenz.

Schröder gegen Fischer. Damit treten die Vormänner der rot-grünen Koaltion gegeneinander an, beide schillernd, beide machtbewusst. „Der Größere ist Koch, der Kleinere ist Kellner”, ließ Schröder einst seinen künftigen Außenminister über rot-grüne Verhältnisse wissen. Noch ist nicht klar, ob Fischer bei Nabucco für ein sechstelliges Salär unterschrieben hat. Unklar ist auch, wer die Personalie dem Manager Magazin durchgestochen hat. In Berlin wird vermutet: „Die Frogs (Friends of Gerd) sind bei der Arbeit.”

 
 

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