Schmieden SPD-Rechte eine Intrige gegen Hannelore Kraft?

Düsseldorf..  Im konservativen SPD-Flügel regt sich Unmut über Hannelore Krafts Linkskurs. Immer häufiger werden Stimmen laut, die von der Spitzenkandidatin eine klare Absage an Rot-Rot-Grün in NRW fordern. Der frühere Rau-Sprecher Lieb beklagt sogar eine „Intrige der SPD-Rechten“ gegen Kraft.

Acht Tage vor der Landtagswahl wird hinter den Kulissen der NRW-SPD über den Kurs von Spitzenkandidatin Hannelore Kraft diskutiert. Der ehemalige Regierungssprecher des langjährigen SPD-Ministerpräsidenten Johannes Rau, Wolfgang Lieb, beklagt öffentlich eine „Intrige der SPD-Rechten“ gegen Kraft.

„Die Kohle-Beton-Chlor-Fraktion in der NRW-SPD sieht selbst in der bestenfalls in der Mitte der Sozialdemokratie anzusiedelnden Hannelore Kraft einen Unsicherheitsfaktor“, schreibt Lieb in seinem Internet-Blog „Nachdenkseiten.de“. Ein Kreis um den ehemaligen Ministerpräsidenten Peer Steinbrück und den Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel lasse unter anderem anonym im Internet gegen Krafts Lavieren mit der Linkspartei mobil machen, analysiert Lieb. Der Wirtschaftsflügel der SPD sehe seine „Interessen am besten in einer großen Koalition unter Führung der CDU gesichert“. Auf Anfrage dieser Zeitung bekannte sich der inzwischen 66-jährige ehemalige Regierungssprecher und Staatssekretär zu dem Aufsatz, wollte aber darüber hinaus keinen weiteren Kommentar abgeben.

„Mit diesen Chaoten kann man nicht 18 Millionen Menschen regieren“

Zeitgleich verlangte der frühere SPD-Fraktionschef im Landtag, Friedhelm Farthmann, in der „Welt“ von Kraft eine klare Absage an ein Bündnis mit den Linken: „Mit diesen Chaoten kann man nicht 18 Millionen Menschen regieren.“ Farthmann erklärte unmissverständlich, für die NRW-SPD „wäre eine große Koalition mit der CDU kein Unglück“.

Mit diesen Wortmeldungen hat Unmut innerhalb des konservativen SPD-Flügels über Krafts Strategie, auf eine knallharte Absage an die Linke zu verzichten, erstmals den Weg an die Öffentlichkeit gefunden. Allerdings steckt die SPD-Landesvorsitzende bei diesem Thema in einem strategischen Dilemma. Mit dem offiziellen Ausschluss einer Koalition mit der Linken würde sie zwar den rechten Parteiflügel zufrieden stellen, gleichzeitig jedoch Teile der SPD-Linken verprellen.

Hannelore Kraft selbst wollte sich auf Anfrage zur Kritik aus eigenen Reihen nicht äußern, hat aber volle Rückendeckung durch ihren Landesvorstand. Krafts „Mantra” zur Linken „Wir suchen die Auseinandersetzung, nicht die Zusammenarbeit”, sei „einvernehmlich innerhalb der Parteispitze vereinbart” und bisher bei jeder Zusammenkunft neu bestätigt worden, sagte ein SPD-Vorstandsmitglied gegenüber der WAZ-Mediengruppe.

 
 

EURE FAVORITEN