Schallers Loveparade-Videos sind jetzt online

Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller (l.) und Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland. Foto: afp
Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller (l.) und Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland. Foto: afp
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Duisburg.. Sieben Wochen nach dem Loveparade-Drama sucht Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland wieder die Öffentlichkeit. Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller hat indes Videos und einen Dokumentarfilm von der Katastophe ins Netz gestellt.

Duisburgs umstrittener Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) plant sieben Wochen nach der Massenpanik und den 21 Toten auf der Loveparade seine Rückkehr in die Öffentlichkeit. So hat das Stadtoberhaupt nach Informationen der WAZ-Mediengruppe zum 12. September seine Teilnahme an der „Sinfonie der Tausend“ im Landschaftspark Duisburg-Nord zugesagt, eine Veranstaltung der Duisburger Philharmoniker und der Ruhr 2010.

Unter den 4000 Gästen werden auch Bundespräsident Christian Wulff und Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) erwartet. Der Bundespräsident hatte kurz nach den tödlichen Ereignissen seinem christdemokratischen Parteifreund Sauerland in diplomatischer Form den Rücktritt vom Amt des Oberbürgermeisters nahegelegt. Jetzt sind die Veranstalter in Sorge, dass es im September zu protokollarischen Verwicklungen oder gar zu Störungen der hochrangig besuchten Veranstaltung kommen könnte. Die Konzertveranstaltung wird abweichend vom ursprünglichen Programm mit einer Gedenkminute für die Toten der Loveparade beginnen.

Taktische Fehlleistungen?

Unterdessen hat der Loveparade-Veranstalter Lopavent erneut schwere Vorwürfe gegen die Polizei erhoben. Um die aus seiner Sicht taktischen Fehlleistungen der Polizei öffentlich belegen zu können, hat Rainer Schaller die Videoaufnahmen der sieben Überwachungskameras mit insgesamt 22 Stunden Material und einen Dokumentarfilm ins Internet gestellt.

Die Staatsanwaltschaft Duisburg hat offenbar keine rechtliche Handhabe, die Veröffentlichung der Videos zu verhindern. „Nach meinen Informationen sieht die Staatsanwaltschaft Duisburg keine Möglichkeit, die Pläne Schallers juristisch zu stoppen“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Die Strafverfolgungsbehörde habe Schaller aber in einem Schreiben „dringend aufgefordert, das Material der sieben Überwachungskameras aus Gründen der Pietät und Rücksicht auf die laufenden Ermittlungen nicht zu veröffentlichen“.

„Herr Schaller manipuliert und verdunkelt“

Auch der Gewerkschaftsvorsitzende warnte Schaller vor dem Schritt an die Öffentlichkeit: „Es wäre das Allerletzte, die Hinterbliebenen im Netz mit den Bildern ihrer sterbenden Angehörigen zu konfrontieren.“ Zudem bestehe ein erhebliches Risiko, mit den Videobildern Zeugen der Vorfälle zu beeinflussen. „Herr Schaller manipuliert und verdunkelt, wo er kann. Ihm geht es offenbar nicht um die Wahrheit, sondern nur darum, seinen eigenen Hals zu retten.“

Die Einsatzkräfte hätten „aus unerklärlichen Gründen“ drei Sperrketten eingerichtet, als sich die Menschen am Unglückstag ab 15.50 Uhr vor den Zugängen im westlichen und im östlichen Bereich des Veranstaltungsgeländes stauten, behauptet dagegen Schaller. Diese Ketten seien „vermutlich die Ursache der Katastrophe“ gewesen. Ohne die Polizeikette auf der Rampe würden die Menschen heute noch leben, zeigte er sich überzeugt. Vor dem Innenausschuss des Düsseldorfer Landtags, der sich am Donnerstag mit dem Unglück beschäftigt, will er nicht erscheinen. Er werde aber Vertreter seiner Firma schicken.

Bildstörung im Lagezentrum?

Der Generalinspekteur der NRW-Polizei, Dieter Wehe, wies die Vorwürfe zurück. Die Polizei werde die Öffentlichkeit am Donnerstag über die ihr vorliegenden Erkenntnisse zum Handeln der Polizei bei der Loveparade weiter informieren. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in NRW, Frank Richter, attackierte Schaller massiv: „Seine Weigerung, dem Innenausschuss Rede und Antwort (...) zu stehen, ist feige und unerhört.“ Die „verlogenen“ Angaben über die Besucherzahlen, das „unbrauchbare“ Sicherheitskonzept, das viel zu späte Öffnen des Geländes, die gravierenden Fehler an den Einlassstellen und der mangelhafte Ordnereinsatz seien wesentliche Ursachen der Katastrophe gewesen, so Richter weiter.

Wie der WDR meldete, litt das in einem Hochhaus untergebrachte Lagezentrum von Veranstalter und Polizei bei der Duisburger Loveparade am 24. Juli offenbar in der kritischen Phase der Veranstaltung zeitweise unter technischen Störungen der Überwachungskameras. Das sagte der Geschäftsführer eines der beteiligten Sicherheitsunternehmen dem Magazin „Westpol“. (NRZ/ddp)

 
 

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