Kommentar

Schallende Ohrfeige für Andrea Nahles auf SPD-Parteitag

Die SPD-Basis macht ihrem Frust Luft. Fast die gesamte SPD-Führung erhält auf dem Parteitag in Leipzig mäßige bis schlechte Wahlergebnisse. Ein Kommentar von Walter Bau.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Essen.. So etwas nennt man wohl eine schallende Ohrfeige: Gerade einmal 67 Prozent der Delegierten stimmten auf dem SPD-Parteitag in Leipzig für Andrea Nahles als Generalsekretärin. Es reicht wohl doch nicht, im Bundestag das Pippi-Langstrumpf-Lied anzustimmen, um sich bei den Genossen beliebt zu machen...

Aber im Ernst: Nahles, die als "Generalin" zweifellos eine blasse Rolle spielt, hat damit auch die Abstrafung bekommen, die die Delegierten dem Vorsitzenden Sigmar Gabriel ersparen wollte. Nahles kann sich allerdings damit trösten, dass sie nicht die einzige in der Führungsriege der SPD ist, die in Leipzig den Ärger und die mit Händen zu greifende Verunsicherung der Partei zu spüren bekam.

Während Hannelore Kraft, die zwar weit entfernt von den 97 Prozent beim letzten Mal landete, mit ihrem 85-Prozent-Resultat noch leben kann, ist der Hamburger Olaf Scholz mit gut 67 Prozent regelrecht abgestürzt in der Gunst der Genossen. Dabei wurde Scholz vor kurzem noch als möglicher Parteichef gehandelt, für den Fall, dass Gabriel hätte abtreten müssen. Doch seine demonstrative Vorliebe für die Koalition mit der Union hat Scholz sicher an der Basis geschadet.

Sieger der Wahl ist Thorsten Schäfer-Gümbel

Die beiden Partei-Vizes Manuela Schwesig und Aydan Özoguz können mit ihren Ergebnissen sicher leben. Zum Jubeln sind die 80 bzw. 86 Prozent aber auch nicht.

Der Sieger der Wahl ist sicher Thorsten Schäfer-Gümbel. Er fuhr mit fast 89 Prozent das mit Abstand beste Ergebnis der Führungsriege ein. Sicher, der Mann aus Hessen ist unbelastet von den Querelen und spielt auch bei den Koalitionsverhandlungen mit der Union in Berlin keine herausragende Rolle.

Stattdessen verhandelt Schäfer-Gümbel daheim in Wiesbaden zäh mit der Linkspartei und den Grünen über ein rot-rot-grünes Bündnis. Ob das nun so kommt, ist eine andere Frage. Aber die Basis hat sicher mit großem Wohlwollen registriert, dass Schäfer-Gümbel andere Schwerpunkte zu setzen scheint als die schwarz-roten Fans an der Spree.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder
Leserkommentare (32)