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Sarrazin provoziert mit Buch über die Eurokrise erneut

20.05.2012 | 09:20 Uhr
Sarrazin provoziert mit Buch über die Eurokrise erneut
Der ehemalige Finanzsenator von Berlin und Ex-Bundesbanker, Thilo Sarrazin (SPD). Foto: Michael Gottschalk/dapd

Berlin.   Thilo Sarrazin hat neues Buch geschrieben und zieht damit wieder heftige Kritik auf sich. In dem Buch mit dem Titel „Europa braucht den Euro nicht“ zieht er Vergleiche mit dem Holocaust. Der umstrittene Autor diskutiert mit Ex-Finanzminister Steinbrück in der ARD-Talkshow „Günther Jauch“.

Der ehemalige Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin sorgt wieder für Schlagzeilen. Dieses Mal ist es sein neues Buch über die Eurokrise, über das der frühere Berliner Finanzsenator am heutigen Sonntagabend (21.45 Uhr) mit Ex-Finanzminister Peer Steinbrück (beide SPD) in der ARD-Talkshow „Günther Jauch“ diskutiert. Das Buch mit dem Titel „Europa braucht den Euro nicht“ und der TV-Auftritt Sarrazins haben bei Politikern von SPD, FDP und Grünen scharfe Kritik ausgelöst, wie die Zeitung „Bild am Sonntag“ berichtet.

Sarrazin hatte bereits mit seinem 2010 erschienenen Buch „Deutschland schafft sich ab“ für heftige Kontroversen gesorgt. Darin hatte er umstrittene Thesen zur Migration aufgestellt und behauptet, alle Juden teilten ein Gen.

In seinem neuen Buch setzt Sarrazin laut Vorabdruck den Holocaust und die europäische Währung in Verbindung und wirft den Befürwortern von gemeinsamen europäischen Staatsanleihen vor, sie seien „getrieben von jenem sehr deutschen Reflex, wonach die Buße für Holocaust und Weltkrieg erst endgültig getan ist, wenn wir alle unsere Belange, auch unser Geld, in europäische Hände gelegt haben“.

Reinhold Robbe, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und langjähriger SPD-Politiker, sagte dazu: „Das ist so schwachsinnig, dass man darüber gar nicht diskutieren sollte. Mit Sarrazin sollte sich niemand mehr in eine Talkshow setzen.“

Künast: Sarrazin als Gast einer ARD-Talkshow disqualifiziert

Für die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast hat sich Sarrazin damit als Gast in einer ARD-Talkshow disqualifiziert: „Nationalistischer Unsinn von Sarrazin passt nicht zum Bildungsauftrag eines öffentlich-rechtlichen Senders.“

FDP-Generalsekretär Patrick Döring beklagt: „Sarrazin verknüpft die Frage der historischen Verantwortung Deutschlands unzulässig mit der aktuellen währungspolitischen Debatte. Das hat im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nichts zu suchen.“

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin bezichtigt Sarrazin des Rechtspopulismus und fordert die Sozialdemokratie indirekt auf, den Buchautor auszuschließen: „Man kann den Holocaust leugnen oder ihn wie Thilo Sarrazin zur Verbreitung antieuropäischer Rechtspopulismen instrumentalisieren. Beides ist gleich unerträglich. Man wundert sich nur, dass Sarrazin mit dieser offen rechten Ideologie immer noch in der SPD sein kann.“

Schäuble: Keine Denk- oder Schreibverbote in Deutschland

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte zu Sarrazins neuem Buch: „Entweder redet und schreibt Sarrazin aus Überzeugung einen himmelschreienden Blödsinn oder er macht es mit einem verachtenswerten Kalkül.“ Nach Ansicht Schäubles versuche Sarrazin an den Erfolg seines ersten Buches „Deutschland schafft sich ab“ anzuknüpfen.

Sarrazins Thesen zur Einwanderung kritisierte Schäuble scharf: „Es gibt weder Denk- noch Sprech- oder Schreibverbote in Deutschland. Es gibt aber das gute Recht von jedermann, sich darüber zu freuen, dass wir trotz Holocaust eine zweite Chance bekommen haben - auch durch Europa - und dass es wieder ein wachsendes jüdisches Leben in Deutschland gibt. Und nicht zuletzt deswegen ist es beispielsweise völlig unangemessen, über angebliche genetische Prädispositionen zu fabulieren, wie Sarrazin es gemacht hat.“

Jauch verteidigt Auftritt Sarrazins

Unbeeindruckt von der Kritik zeigte sich Günther Jauch in der Zeitung: „Was liegt näher, als Thilo Sarrazins ebenso streitbare wie umstrittene Thesen mit dem Autoren selbst und einem scharfen Kritiker, der überdies auch noch derselben Partei angehört, zu diskutieren?“, fragte der Moderator und hoffte auf hohe Einschaltquoten: „Ich freue mich auf dieses politische Streitgespräch zu einem aktuellen Thema, das Millionen Menschen gerade jetzt besonders interessiert.“ (dapd)

Kommentare
20.05.2012
14:02
dummberger #32
von Migrationswirt | #35

Ich frage mich immer wenn jemand vom "Geschwätz des Stammtisches" fabuliert, was er damit genau meint.

Der Teilnehmer eines Stammtisches kommt aus...
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2012-05-20 09:20
Politik