Sarrazin: Flüchtlingspolitik auf Kosten der „kleinen Leute“

Berlin..  Thilo Sarrazin (71) kann es einfach nicht lassen. Neues Buch, neue Reizthesen. Als zentrale Fehlerquelle beim Regieren hat der frühere Berliner Finanzsenator „Wunschdenken“ ausgemacht. „Daraus ergeben sich fast alle großen Fehler.“ Zum Beispiel die Flüchtlingspolitik.

Sein Buch („Wunschdenken“), das heute erscheint, ist nicht zuletzt eine Abrechnung mit der Ikone der Willkommenskultur: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Sie profitiere noch von den Reformen ihrer Vorgänger. „Aber ihre Nachfolger werden in 20 Jahren unter den negativen Folgen ihrer verfehlten Flüchtlingspolitik leiden“, sagte er unserer Zeitung.

Nicht minder dürfte Sarrazin seine Partei provozieren, die SPD. Der wirft er vor, dass sie mit der derzeitigen Einwanderung „den kleinen Leuten“ schade. Den Rückgang der Flüchtlingszahlen der eigenen Politik zuzurechnen, „kommt einer Täuschung der Öffentlichkeit gleich“, sagte Sarrazin. Um sich mit der Kontrolle der Grenzen die Hände nicht schmutzig zu machen, „haben wir mit der Türkei einen externen Wächter gefunden“. Den bezahle man mit Geld, Zusagen für Visa-Freiheit und politischer Gefügigkeit: „Das zeigt sich in der Causa Böhmermann.“

Mit den Flüchtlingen habe sich Deutschland ein dauerhaftes Arbeitsmarktproblem geschaffen. Die große Schar von wenig qualifizierten Einwanderern drücke die Löhne und schaffe neue Dauerarbeitslosigkeit. „Sigmar Gabriel und Andrea Nahles wissen das natürlich“, sagte Sarrazin. Letztlich ahnten sie, dass Masseneinwanderung am unteren Ende des Arbeitsmarktes den kleinen Leuten schade, „aber sie scheuen sich, daraus Konsequenzen zu ziehen“. Sarrazins Credo: „Wenn schon Einwanderung, dann bitte ins obere Ende des Arbeitsmarktes. Ich finde die gegenwärtige Politik wenig sozialdemokratisch.“ Wörtlich fügte er hinzu, „die SPD muss aufpassen, dass es ihr nicht ähnlich geht wie der SPÖ. In Österreich ist mittlerweile die FPÖ die größte Arbeiterpartei.“ Sonst könnten Wahlergebnisse von zehn bis 15 Prozent – wie jetzt in Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg – für die Sozialdemokraten zur Regel werden. Hätten CDU und SPD seine Warnungen zu Einwanderung und Islamismus beherzigt, „würde es heute die AfD entweder nicht geben, oder sie wäre wesentlich kleiner.“

 
 

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