Nur die Abgehängten wählen AfD? Die Wahrheit sieht ganz anders aus

Wahl in Sachsen: Es sind nicht „die Protestwähler“, die die AfD so stark machen.
Wahl in Sachsen: Es sind nicht „die Protestwähler“, die die AfD so stark machen.
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Die Erleichterung ist pures Gift.

„Puh, nochmal geschafft, die AfD ist nicht stärkste Kraft" - das ist der Tenor nach den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg.

Sachsen-Wahl: Kein Grund für Erleichterung

Dabei gibt es keine Grund erleichtert zu sein - aber umso mehr Gründe, zutiefst erschüttert zu sein.

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Denn das Wahlergebnis in den beiden ostdeutschen Bundesländern hat vor allem eins gezeigt: Es sind nicht bloß enttäuschte Wutbürger, die die AfD aus reinem Protest wählen.

Der Glaube an „die Abgehängten“

Jahrelang war der Glaube an „die Abgehängten“ ein sanftes Ruhekissen. Man müsse sich deren Probleme nur mal genauer anhören, man müsse nur ihre Probleme lösen, dann wäre das rechte Schreckgespenst bald Geschichte, so dachte man sich das im Elfenbeinturm.

Jetzt wissen wir: Viele AfD-Wähler machen ihr Kreuz aus Überzeugung. Sie wählen die AfD nicht trotz, sondern wegen ihrer rechtsextremen Anteile.

Brandenburg: AfD-Spitzenkandidat ist ein Rechtsextremer

Beispiel Brandenburg. AfD-Spitzenkandidat Andreas Kalbitz ist ein Rechtsextremer. Er hat enge Verbindungen zu Neonazis. Das ist kein Geheimnis. Erst vor wenigen Tagen gab es einen Bericht über einen Ausflug von Kalbitz mit 13 Neonazis nach Athen, wo die Gruppe eine riesige Hakenkreuzfahne hisste.

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Fast ein Viertel der Wähler in Brandenburg hat das keineswegs abgeschreckt, ihre Stimme der AfD zu geben.

Sachsen-Wahl: AfD-Wähler identifizieren sich mit Zielen der Partei

Beispiel Sachsen. AfD-Spitzenkandidat Jörg Urban ist ein Rechtsextremer. Der Verfassungsschutz sieht bei ihm Anzeichen für ein völkisch-nationalistisches Gesellschaftsbild. Jörg Urban sagt Wörter wie „Messer-Marokkaner“. 27 Prozent der Wähler in Sachsen gaben der AfD dennoch ihre Stimme.

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Das passt zu einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen. Demnach identifiziert sich die große Mehrheit der sächsischen AfD-Wähler mit den inhaltlichen Zielen der Partei.

Illusion ist zerstört

70 Prozent gaben an, die Partei wegen ihrer politischen Forderungen gewählt zu haben. Nur 28 Prozent sehen sich selbst als Protestwähler.

Die Illusion, die AfD sei bloß eine Alternative für Enttäuschte, ist nach den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg endgültig zerstört.

 
 

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