Ruhrgebiet ist kein Armenhaus

Walter Bau

Das Ruhrgebiet – ein soziales Notstandsgebiet mit einer Bevölkerung ohne Perspektive, soziale Unruhen sind nur noch eine Frage der Zeit. Diesen Eindruck kann man zumindest bekommen, wenn man den neuen Armutsbericht studiert. Ist das die Realität im Revier des Jahres 2011?

Richtig ist, dass der wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland an vielen Familien vorbei geht, immer mehr Menschen von ihrer Arbeit allein nicht leben können, sich die Schere zwischen Arm und Reich weiter öffnet. Und es trifft ebenso zu, dass sich diese Entwicklung im sozialen Ballungszentrum Ruhrgebiet besonders deutlich niederschlägt.

Aber richtig ist auch, dass Städte wie Dortmund, Duisburg oder Mülheim keine dunklen Armenhäuser sind, wie es der Armutsbericht suggeriert. Problemviertel gibt es schließlich auch in Hamburg oder München.

Nicht mehr nachvollziehbar ist, dass finanziell ausgelaugte Städte im Ruhrgebiet faktisch gezwungen sind, Kredite aufzunehmen, um ihren Soli an Städte im Osten überweisen zu können. Denn auch das zeigt der Armutsbericht: In Thüringen und Brandenburg verlief die Entwicklung in den letzten Jahren positiv – auch dank des Geldes aus dem Revier.

Wer dem Ruhrgebiet helfen will, sollte sich dafür einsetzen, diese Schieflage zu beheben. Horrorszenarien allein helfen nicht weiter.